Der ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Wolfgang Huber, 73, beschäftigt sich mit religiöser Pluralität in Deutschland im Zeichen der Flüchtlingsströme (SZ 24./25.10.15). Überzeugend legt er dar, dass „gleichgültige, indifferente Toleranz“ nichts bringt. Denn denjenigen, die gar nicht „religiös alphabetisiert“ sind, fehlt die Urteilsfähigkeit. Sie können dem Islam gar nicht wirklich tolerant begegnen. Ich sehe bei den vielen Menschen, die keinen richtigen Konfirmandenunterricht oder keinen richtigen Kommunionsunterricht gehabt haben, Wissenslücken, die bis an den Rand der geistlichen Haltlosigkeit gehen können. Sie ähneln manchmal den „Gottgläubigen“ bei den Nazis.
Huber schreibt: „Wer einen Islam will, der zu Deutschland gehört, kann nicht alle Haltungen hinnehmen, für die der Islam in Anspruch genommen wird. Er muss mit Muslimen über das Verständnis der Freiheit und die Voraussetzungen der Freiheit sprechen. Weder das Faustrecht noch eine rechtliche Subkultur, die sich an der Scharia orientiert, verträgt sich mit dem Ziel der Integration. Die Rücksicht auf kulturelle Prägungen – zum Beispiel im Verhältnis von Männern und Frauen – darf nicht zu einer Erosion des geltenden Rechts führen.“