1034: Flüchtlingslager auf der Welt

Durch die aktuelle Flüchtlingskrise ist Europa ins Zentrum des Interesses gerückt. Flüchtlinge gibt es aber anderswo auf der Welt in noch größerem Ausmaß. Ursachen sind meistens Kriege, Bürgerkriege oder der Kampf um Rohstoffe und Bodenschätze.

1. Seit dem sowjetischen Einmarsch in Afghanistan fliehen Menschen von dort. Der Strom ist in letzter Zeit wieder größer geworden, weil die USA und andere westliche Sicherheitsmächte sich von dort zurückziehen wollen.

2. Der muslimische Sudan und der christliche Südsudan haben zwei Staaten gebildet. Im ölreichen Südsudan herrscht seit 2013 ein mörderischer Bürgerkrieg. Sieben Waffenstillstandsabkommen haben nichts genützt.

3. Somalia hat seit den neunziger Jahren fast keine staatlichen Strukturen mehr. Dort herrschen Milizen.

4. Der an Bodenschätzen reiche Ostkongo ist seit Jahrzehnten Spielball von mörderischen Milizen.

5. Der Bürgerkrieg in Burundi hat eine Flüchtlingswelle ausgelöst.

6. Die Kämpfe in Irak und Syrien haben vielfältige und hochkomplexe Ursachen. Die erkennbar wichtigsten sind der verfehlte Einmarsch der USA 2003 in Irak und die permanente Unterstützung Russlands für das alewitische Assad-Regime in Syrien, wo neuerdings das russische militärische Engagement noch vergrößert wird. In Jordanien und Libanon bestehen Flüchtlingslager schon seit den Nahostkriegen 1948, 1956, 1973 und 1981.

7. Im UN-Sicherheitsrat werden beabsichtigte Sanktionen häufig von den Veto-Mächten blockiert. Sehr häufig von Russland.

Die Staaten, die am meisten Flüchtlinge aufgenommen haben, sind 1. die Türkei (1 938 999), 2. Pakistan (1 505 525), 3. Libanon (1 113 941), 4. Iran (982 027), 5. Äthiopien (659 524), 6. Jordanien (629 266), 7. Kenia (551 352), 8. Tschad (452 897), 9. Uganda (385 513), 10. China (301 052). Dass die meisten Flüchtlinge dort keine Perspektive sehen, liegt auf der Hand.

Die größten Flüchtlingslager sind

Daadab, Kenia (332 455),

Gambella, Äthiopien (219 620),

Dollo Ado, Äthiopien (208 331),

Nyarugusu, Tansania (151 258),

Adjumani, Uganda (112 620) und

Rwamwanja, Uganda (61 016).

Nicht immer werden aus großen Flüchtlingsströmen große Lager. Vor allem in der Türkei und in Pakistan, den aktuell wichtigsten Aufnahmestaaten, kommen die meisten Vertriebenen nicht in Camps unter, sondern leben dezentral in Dörfern und Städten (SZ 17.9.15).

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