Als 2010 das Buch des US-Amerikaners Timothy Snyder „Bloodlands“ herauskam, galt es gleich als Sensation. Darin nimmt sich der Historiker das Territorium vor, das zwischen 1933 und 1945 unter deutscher und sowjetischer Herrschaft gestanden hatte. Höhepunkt: der Hitler-Stalin-Pakt von 1939 (bis 1941). Geschaut wird auf die Opfer: Polen, Weißrussen, Ukrainer, Balten, Juden. Inzwischen ist das Buch in 26 Sprachen übersetzt. Nun erscheint es auf Russisch. In einem kleinen ukrainischen Verlag, Duliby (timothysnyder-bloodlands.com), im Netz. Das erinnert an die Zeiten des
Samisdat,
als regimekritische Schriften nur in Form von handschriftlichen Kopien weitergereicht werden konnten. Timothy Snyder hat sein Buch kürzlich in Charkiw im Museum für den Großen Vaterländischen Krieg vorgestellt und in Dnjepropetrowsk im Holocaust-Museum. Den Vortrag dazu hielt Snyder auf Ukrainisch, das Publikum fragte auf Russisch. Intelligente ukrainische Propaganda (Cathrin Kahlweit SZ 15.7.15).