251: Georg Ringsgwandl lobt Bankdirektoren und kritisiert die „raffgierigsten Bestien“ im „linken Kabarett“

Georg Ringsgwandl (63) ist ein ganz einzigartiger Kabarettist. Der ehemalige Oberarzt ragt wegen seiner bayerischen Eigenarten und wegen seiner Deutlichkeit aus der Menge der Kollegen heraus. Er entlarvt die Blasen des Neusprechs und die Umschreibungen der „Political Correctness“. Er hat Malte Conradi und Michael Ruhland in der SZ (7.9.12) ein Interview gegeben.

SZ: Fühlt man sich arm, wenn alle nichts haben?

R.: Ich habe die Armut solange nicht gefühlt, wie ich keinen Vergleich hatte. Als ich aufs Gymnasium kam, habe ich sie schlagartig und schmerzhaft gespürt. Es war ja nicht vorgesehen, dass Kinder von Tagelöhnern und Handwerkern aufs Gymnasium gehen.

SZ: Wollten Sie aufs Gymnasium gehen oder haben Ihre Eltern Sie gepusht?

R.: Gepusht, ha! Das ist ein schicker Ausdruck, die haben mir gnadenlos in den Arsch getreten. Bei uns in der Siedlung, war die vorherrschende Ansicht, dass Bildung Quatsch ist. Zu mir sagten diese armen Hunde immer: „Bist du bleed, gehst auf die Oberschul‘! So kannst dir nie ein Moped leisten!“ Meine Eltern hatten selber null Bildung, wussten aber, dass sie die einzige Chance da raus war. …

SZ: Mitte 30 waren Sie Oberarzt. War ihr Vater beeindruckt?

R.: Nicht besonders. Dass ich zur gehobenen Schicht gehörte, war ihm suspekt. Schon als ich mich für Medizin entschied, dachte er, ich werde größenwahnsinnig. Immer grundiert mit der Haltung, dass geistige Arbeit keine richtige Arbeit ist. Wenn ich Hausaufgaben machte, hieß es: „Was hockst da rum? geh Holzhacken!“

SZ: Langweilten Sie sich im Krankenhaus?

R.: Ich war gerne Arzt. Aber mit 45 noch mal 20 Jahre jeden Tag um acht den Kittel anziehen? Hätte ich keine Begabungen außerhalb der Medizin, wäre das okay. Dann würde ich Golf spielen oder wäre Weinkenner. Ich würde mich mit Bekannten treffen, um schön zu kochen. Oder vielleicht ein Dreisterne-Kochkurs bei irgend so einem Idioten von Fernsehkoch.

SZ: Was gut ist, hat Erfolg?

R.: Ich hätte jedenfalls kein Interesse daran, Autorenfilme zu machen, die sich bei Filmfestspielen im Südharz drei Kritiker anschauen und sich dabei im Dunkeln einen runterholen. Ich will keine verschraubte Musik machen. Dann schreibt womöglich noch so ein verklemmter Trottel im Feuilleton, der Künstler habe tonale Grenzen eingerissen und bewege sich auf neuem Terrain. … Wenn über Geld geredet wird, wird so viel gelogen wie sonst nur auf Beerdigungen, Hochzeiten und Berufsverabschiedungen.

SZ: Das gilt auch für Kabarettisten?

R.: Die raffgierigsten Bestien sitzen im linken Kabarett. In der Szene ist die Lüge und Heuchelei beim Geld himmelschreiend und zähnebleckend. Die so genannten Künstler sind oft abwegig geldgeil. Die Gesellschaft verehrt sie als Inbegriff des besseren Menschseins, während sie den Bankdirektor als Schwein betrachtet. Dabei sind Bankdirektoren integere, anständige Leute im Vergleich zur Masse der Künstler.

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