Lehrer haben den für die Gesellschaft wichtigsten Beruf. Aber sie werden den beruflichen Anforderungen nicht immer gerecht. 25 Prozent von ihnen halten ihn gar für eine „Notlösung“. 94 Prozent werden frühpensioniert. Die psychische Belastung von Lehrern ist oft die Folge einer falschen Berufswahl.
Dabei wissen wir seit der Studie von
John Hattie (Neuseeland),
der sämtliche einschlägigen englischsprachigen Untersuchungen ausgewertet hatte: „Was zählt, ist der einzelne Lehrer. Wie bereitet er den Stoff auf? Wie stringent führt er durch die Stunde? Erreicht er die Kinder? Kann er sich für das, was er da unterrichtet, selbst begeistern?“ Es kommt auf die Beherrschung der pädagogischen Kernkompetenzen an:
– emotionale Stabilität,
– Gewissenhaftigkeit,
– Offenheit,
– Empathie.
Der Passauer Ordinarius für Schulpädagogik Norbert Seibert hat deswegen einen achtstündigen
eignungsdiagnostischen Test
entwickelt. Er funktioniert wie ein Assessment-Center: Die Probanden müssen sich selbst vorstellen, nehmen an einer Gruppendiskussion teil, an Rollenspielen und Empathieübungen. Ein Expertengremium aus Lehrern, Rektoren, Schulräten und Lehrstuhlmitarbeitern achtet auf die Körperhaltung, die Sprachkompetenz und das Einfühlungsvermögen (Alex Rühle, SZ 7.5.15).
Würde ein solcher Test überall in Deutschland eingeführt, könnte nach Seiberts Schätzung in vielen Fällen (40 %) die falsche Berufswahl zum Lehrer vermieden werden. Und viel pädagogisches Unglück.