911: Adornos Verletzbarkeit und sein Hass

Drei Rezensionen des Briefwechsels zwischen

Theodor W. Adorno und Gershom Scholem: Der liebe Gott wohnt im Detail. Briefwechsel 1939 – 1969. Hrsg. von Asaf Angermann. Berlin (Suhrkamp) 2015, 548 S.; 39,95 Euro,

bringen Bemerkenswertes zutage. Auch wenn es bisher nicht gänzlich unbekannt gewesen sein mag. Es sind die Rezensionen von Jürgen Habermas (Die Zeit, 9.4.15), Thomas Meyer (SZ 17.4.15) und Micha Brumlik (taz 18./19.4.15). Dabei werden insbesondere Eigenschaften und Haltungen Theodor W. Adornos herausgearbeitet.

Jürgen Habermas sieht Adorno und Scholem als Testamentsvollstrecker Walter Benjamins. Wie diesen habe die Briefeschreiber das

Schicksal des Sakralen nach der Aufklärung

interessiert, ob und wie es „in die Profanität einwandern“ (Scholem) könne. „Mit eigenen Interpretationen und Ernnerungen arbeiten sie an der Konstruktion eines öffentlichen Bildes von Walter Benjamin, das alsbald die Fantasie einer breiten Leserschaft beflügelt. Nie ist das Werk eines Autors im Zuge seiner Rezeption so unmittelbar mit der umwitterten Lebensgeschichte und den politischen Umständen seines tragischen Todes verschmolzen. Am Ende spricht Adorno von Benjamins ‚Nimbus‘ – selbst erstaunt über den unerwarteten Erfolg.“

Über seinen „Lehrer“ Adorno schreibt Habermas: „Entspannt war er nur im engsten Kreise und wirklich frei nur an seinem Schreibtisch. Diese verletzbare Person behielt Zugang zur eigenen Kindheit und war gleichzeitig mehr als bloß erwachsen. Sie lebte überwach und ängstlich, gleichsam mit vorgestreckter Hand, sowohl diesseits wie jenseits einer Normalität, an der wir anderen unseren Halt haben.“

Micha Brumlik zitiert zum Beleg dafür, dass Adorno Hannah Arendt gehasst hat, aus einem Brief von 1963, in dem Adorno Scholems Kritik an Arendts ‚Eichmann in Jerusalem“ zustimmt und schreibt, dass „nur die alte Antipathie bestätigt (wird), welche ich gegen diese Dame seit unserer Jugend hegte; gegen den maßlosen Ehrgeiz, das intellektuelle Neophytentum. Nur in einem hat sie recht: Sie ist nie eine Linksintellektuelle gewesen, freilich kommt sie auch nicht von der deutschen Philosophie her. Sie ist eine Schülerin von Jaspers.“

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