782: Professx und 60 Geschlechter

Der Schriftsteller und Germanist Herbert Genzmer will der deutschen Grammatik wieder zu ihrem Recht verhelfen. Matthias Heine hat ihn für „Die Welt“ (20.12.14) interviewt.

Welt: Bei Facebook kann man zwischen

60 verschiedenen Geschlechtern

wählen. Die Berliner Professorin Lann Hornscheidt will „Professx“ genannt werden und verbittet sich auch „zweigendernde“ Anreden wie „Liebe …“ oder „Lieber …“. Brauchen neue gesellschaftliche und sexuelle Differenzierungen auch neue grammatische Formen?

Genzmer: Ich finde das großartig. Ob es etwas bringen wird? Es wird eine Sensibilisierung mit sich bringen. Leute werden anfangen, darüber nachzudenken, ob die festen Parameter nicht wert sind, überdacht zu werden. Ich habe für eine Artikel mal in Sex-Chatrooms recherchiert, da gibt es ja sogar

120 Kategorien,

jede Spielart, jede Geschlechterbezeichnung für das, als was die Leute sich empfinden, oder wie sie sich gerne sehen wollen. In diesem Chatroom waren an dem Vormittag 14.000 Leute. Ob das eine Sache wird, die auf ewig bleibt oder ob es nur semantische Spielereien sind, wird sich zeigen. Ich denke nicht, dass sich in Deutschland 60 Geschlechter einbürgern werden.

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