Auf Bitten einiger Blog-Teilnehmer hier noch etwas zur gesellschaftlichen (=sozialen) Mitte:
In unserer Klassengesellschaft (gespalten nach der Verfügungsmacht über Kapital = Erwerbsvermögen in
Bürgertum/Bourgeoisie und Proletariat) gibt es viele soziale Schichten in und zwischen den Klassen. Die Schichten definieren wir nach
– Einkommen,
– Vermögen,
– Ausbildung,
– Ansehen (Prestige).
Daneben gibt es noch spezielle Gruppierungen wie
– „Mittelstand“, „Intelligenz“, „Bildungsbürgertum“.
Insofern kann es durchaus sein, dass aus der Mitte der Gesellschaft heraus extremistische politische Forderungen gestellt werden. Wie etwa die Ächtung, Ausgrenzung, Herabsetzung, Enteignung und Ermordung von Juden (= rechtsextrem). Oder die Abschaffung des Privateigentums an den Produktionsmitteln (= linksextrem).
Tatsächlich ist die Analyse manchmal nicht leicht. Das liegt an den zahlreichen und vielfältigen Mischformen, die sich im 20. Jahrhundert entwickelt haben. Nehmen wir als Beispiel die „Intelligenz“. Sie besteht aus besonders windigen Brüdern (und Schwestern). Sie kann heute rechts, morgen links und übermorgen Mitte. Also: politisch unzuverlässige Gesellen (und Gesellinnnen). Bei Friedrich Nietzsche heißt es irgendwo sinngemäß: „Ich werde eine Sache loben oder tadeln, je nachdem, wo ich meinen Geist dabei am besten leuchten lassen kann.“
Ganz gewiss falsch ist in unserer modernen Gesellschaft der an Stammtischen beliebte Satz: „So einfach ist das.“