Botho Strauß hat sich in die Einsamkeit der Uckermark zurückgezogen. Vielleicht feiert er dort seinen 70. Geburtstag. Angefangen hatte der eigenwillige Autor als brillanter Theaterkritiker bei „Theater heute“ (1967-1970). Bis 1975 war er Dramaturg an der Schaubühne am Halleschen Ufer, seither ist er freier Schriftsteller. Ein tatsächlich freier, der sich keiner Mode, keiner Norm, keinem Common Sense verpflichtet weiß.
Mit seinem Frühwerk (u.a. „Paare, Passanten“ 1981) war Strauß wie Phoenix aus der Asche aufgestiegen. Seine elitäre und anspruchsvolle Sprache faszinierte seinerzeit viele der fähigsten Kritiker (u.a. Marcel Reich-Ranicki). Seine Abscheu vor einem „herunterdemokratisierten, formlosen Gesellschaftsbewusstsein“ brachte er am stärksten zum Ausdruck im „Anschwellenden Bocksgesang“ 1993. Danach konnte er nicht mehr wie vorher mit Theodor W. Adorno in einem Atemzug genannt werden, mit dem er allerdings die Überzeugung von der Aufklärung als Massenbetrug teilte. Er gefiel sich in der Feier des „Reaktionären“ und zog sich mehr und mehr aus der Gesellschaft zurück.
Rainald Goetz rezensierte Botho Strauß noch vor dem Erscheinen seines ersten eigenen Romans 1981 im „Spiegel“ und formulierte dabei seine Abkehr von seinen ehemaligen Vobildern Peter Handke und Botho Strauß: „Er muss zum Sozialen, dem er sich verdankt, ein ungekünstelt fundamentales Dekonstruktionsverhältnis unterhalten. Text ist hier: die aus der Sprache lebende Literatur. Und es ist interessant und entmutigend zu sehen, dass die Autoren, die diese Art sprachgenerierter Literatur machen oder gemacht haben, eigentlich immer, zwangsläufig in der Isolation, im sozialen Abseits und damit kurz über lang in der Verblödung irgendwelcher abgedrehter Individualkosmen, im Schwachsinn gelandet sind. Privatroman, Langsame Heimkehr, Bocksgesang.“
Der Strauß-Fan Heinz Strunk („Fleisch ist mein Gemüse“) schreibt: „Erwähnen möchte ich aber auch, dass mir einige Texte bis heute ein Rätsel geblieben sind. Auch nach wiederholten Versuchen hab ich’s nicht kapiert.“ (Dirk Kniphals, taz 29./30.11.14; Andreas Bernard, FAS 30.11.14; Lothar Müller, SZ 2.12.14)