184: Martin Mosebach hat ein ordentliches Weltbild. Für ihn gehört der Islam nicht zu Deutschland.

Wenn wir angesichts der Unübersichtlichkeit der Welt wieder einmal unsicher sind, suchen wir gerne Sicherheit bei jemand, der den Überblick hat. Dazu eignet sich der in letzter Zeit häufig ausgezeichnete deutsche Schriftsteller Martin Mosebach. Für diesen „konservativen Katholiken“ hat es seine Logik, dass ausgerechnet der Osten Deutschlands, die Heimat der Reformation, immer gottloser wird. In einem Interview mit der „Welt“ (21.4.2012) gibt Mosebach Auskunft über sein Weltbild.

„Es gibt sehr viel mehr Christen auf der Welt als noch vor hundert Jahren und erst recht als noch vor 500 Jahren.“ Die Kirche, jeder einzelne Getaufte, habe die Aufgabe, für den Glauben zu werben. „Nicht nur dadurch, dass er über seinen Glauben spricht, sondern indem er ein Leben führt, das auf Ungläubige so überzeugend wirkt, dass sie nachdenklich werden.“

Ein Leben in der Abkehr von Gott sei eine „reduzierte Existenz“. „Die seelische und auch die rationale Fülle des Menschseins ist dann nicht gegeben, wenn die Verbindung zum Schöpfer verödet ist.“ Der reale Sozialismus sei zwar sehr eifrig in der sehr strammen atheistischen Erziehung gewesen. Aber in Russland, Polen und Rumänien sei die Kirche wieder erstarkt. Im Gegensatz zu Ostdeutschland. Verantwortlich macht Martin Mosebach dafür Friedrich II. von Preußen, eine nicht überall verbreitete Lesart. „Friedrich II., dessen religiöse Toleranz in diesem Jahr so gefeiert wurde, war ja nur deswegen so tolerant, weil er die Religion verachtete, sich geradezu vor ihr ekelte.“ Auch Johann Wolfgang Goethe stehe für einen Protestantismus, „der die Verbindung zu Sakrament und lebendiger Christus-Beziehung verlassen hat“.

Deutschland sei immer ein geteiltes Land gewesen. „Schon als es in die Geschichte eintrat, bestand es aus einem römisch-beherrschten Teil und einem barbarisch gebliebenen. Tatsächlich laufen unsere heutigen religiösen Grenzen teilweise an den alten römischen Militärgrenzen entlang. Im Osten gab es schon vor der Reformation einen antirömischen Affekt, den Luther dann verstärkte.“ Die Reformation sei aber nicht Voraussetzung für den Atheismus. Schließlich gäbe es den evangelikalen Protestantismus in den USA. Und bei uns Bewegungen wie die Pietisten oder die Herrnhuter. Ihnen fühlt sich Mosebach eher verbunden.

Dann macht Mosebach darauf aufmerksam, dass die Religion bei uns gegenwärtig dort stabiler sei, wo der wirtschaftliche Erfolg sei, wo es ein etabliertes Bürgertum gäbe. „Die Erfolgreichen, die mit der modernen Welt Zurechtkommenden sind heute eher auch die Gläubigen.“ Wenn die Kirche „die Wahrheit“ besitze über das Wesen des Menschen , seine Herkunft und sein Ziel, könne man nicht über sie sprechen wie über einen  Kaufhoffiliale, der die Kunden abhanden gekommen seien. „Die Wahrheit unterliegt nicht einer Mehrheitsabstimmung. Es ist gut für den, der sie erkennt, es ist schlecht für den, der sie nicht erkennt. Die Wahrheit ist auf Zustimmung nicht angewiesen.“

Martin Mosebach, so sagt er selbst, ist ein Muslim näher als ein Atheist. Und der Kirche sei keineswegs der historische Erfolg geweissagt. Heute sei die Kirche aus den Kernregionen, aus denen sie stamme, vollständig verschwunden (Nordafrika, Zentralanatolien). „Dafür gibt es heute in Ländern Christen, die man in der Antike nicht einmal kannte. … Die Kirche wandert über den Erdkreis. Jetzt entwickelt das Christentum zum Beispiel eine große Strahlkraft in China. Das dürfte politisch gesehen die interessantere Nachricht sein als die, ob in Cottbus die Kirche voll ist.“

Für Martin Mosebach ist der Satz „Der Islam gehört zu Deutschland“ (von einem katholischen Bundespräsidenten formuliert) „eine verantwortungslose und demagogische Äußerung“. Was habe der Islam schon zu unserer politischen und gesellschaftlichen Kultur bisher beigetragen? Wenn die muslimischen Deutschen die kulturelle Kraft besitzen sollten, der deutschen Kultur islamische Wesenszüge einzuflechten, dann möge man in hunder Jahren vielleicht einmal sagen: „Der Islam gehört zu Deutschland.“

Nun, das ist jedenfalls ziemlich klar Wir können wissen, wohin die Reise gehen würde. Und ich nehme an, dass im Vatikan und gerade von Bendekt XVI. ähnlich gedacht wird. Da geht es dann nicht so sehr um den einzelnen Gläubigen und sein Gewissen, sondern um kirchliche Macht. Kommt sie demnächst aus China?

Leave a Reply

You must be logged in to post a comment.