712: Uni Freiburg mauert bei der Doping-Aufklärung

Zu Zeiten der Joseph Keul und Armin Klümper galt die Universität Freiburg als Hort der Doping-Entwicklung. In Zusammenarbeit etwa mit T-Mobile. Dies soll eine unabhängige Bewertungskommission unter Leitung der belgischen Professorin Letizia Paoli aufklären. Aber sie fühlt sich seit Jahren von der Universität Freiburg systematisch behindert. Deshalb hat sie sich an die Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) gewandt. Einen Schlichtungstermin mit dem Freiburger Rektor Hans-Jochen Schiewer bei der Ministerin hat die Letizia Paoli bisher abgelehnt (Johannes Aumüller/Thomas Kistner, SZ 28.10.14).

Anfang Oktober erhielt die Ministerin einen 106 Seiten umfassenden Vorwurfskatalog von der Bewertungskommission. Darin wird die atemberaubende Verhinderungsstrategie der Uni beschrieben, die anscheinend den schlechten Ruf der Keul und Klümper hinter sich lassen will. U.a. behauptete die Uni bisher, die Doping-Aufklärung sollte in einer „Forschungsstelle Sportmedizin“ fortgesetzt werden. Dabei hatte sie selbst durch ein Gutachten klären lassen, dass eine Weitergabe der Daten ohne Veröffentlichung der Kommission Geheimnnisverrat darstelle. Es wäre zu pikant, erst die Arbeit der Bewertungskommission mit dem treuherzigen Hinweis auf eine hausinterne Forschungsstelle zu beenden, um dann festzustellen, dass rechtliche Hürden verhindern, das angehäufte Kommisionswissen zu benutzen.

Zusätzlich geht es um Plagiate in Freiburger Habilitationen. Etwa bei der Habilitation des Mediziners Hans-Hermann Dickhuth. Mit ihm hat die Uni einen Deal vereinbart: Aberkennung der Habilitation bei Beibehaltung des Titels und der Pensionsansprüche. Die Kommission hatte der Uni-Spitze 2011 sechs (6) weitere Habiltationen mit Plagiatsverdacht gemeldet. Nach neuesten Informationen gibt es noch 20 (!) weitere verdächtige Habilitationen.

Letizia Paolis Dokumentation reicht über den Campus hinaus. So lagerten jahrelang umfangreiche Akten der Abteilung Sportmedizin bei der Freiburger Staatsanwaltschaft, die 2007 im Zuge des T-Mobile-Verfahrens beschlagnahmt worden waren. Der Verbleib der Unterlagen ist „ungewiss“. Auch die Stadt Freiburg unterstützt die Paoli-Kommission nicht. Erst ganz kürzlich gingen 18 000 Seiten Akten bei der Kommission ein, die das Innenverhältnis der Kommunalpolitik mit dem affären-umrankten Armin Klümper beleuchten.

Es geht um die deutsche Doping-Praxis und die deutsche Habilitations-Praxis. Na, dann klärt mal schön auf.

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