Wir verdanken den USA die Menschenrechte (1776). Im zwanzigsten Jahrhundert haben sie zweimal in den Weltkriegen entscheidend ihr Gewicht in die Wagschale geworfen. Mit dem Marshall-Plan ermöglichten sie Westeuropa und insbesondere Deutschland nach 1945 einen ungeahnten Wirtschaftsaufschwung und Wohlstand. Unsere Kinder und Enkel sind zum Schüleraustausch in den USA, und einige von ihnen studieren dort später mit Erfolg. Die USA sind unser größter Partner in der NATO und gewährleisten mit ihren Atomwaffen und Interkontinentalraketen unsere Sicherheit. Lange Jahre haben sie die Rolle des Weltpolizisten gespielt. An die USA ist die Hoffnung auf Freiheit geknüpft. Sie führen eine liberale Weltordnung an, die sich gegen Diktaturen, Autokratien und den internationalen Terror behaupten muss. Also: alles in bestem Einvernehmen, in Freundschaft?
Nein.
Woran liegt das?
1. NSA.
Hier ist nicht mehr viel zu retten.
2. Das Freihandelsabkommen.
Es ist nur sinnvoll und möglich, wenn Kultur und Medien ausgeklammert bleiben, sonst sind Demokratie, Rechtsstaat und Sozialstaat in Gefahr.
3. Folterungen in Guantanamo und Abu Ghraib.
Vollkommen unmöglich und vollständig abzulehnen.
Die Weltlage und insbesondere die nicht zu akzeptierenden politischen Aktivitäten Russlands (in der Ukraine) und Chinas (im südchinesischen Meer) zeigen uns, dass wir auf die USA angewiesen bleiben. Wir brauchen ihre Partnerschaft. Sie sind führend in der „soft power“. Das geht von den Strukturen der Finanzmärkte über Musik, Moden, Film und Fernsehen bis zum Cyberspace.
Aber die USA sind müde geworden. Viele dort haben keine Lust mehr auf die Rolle als Weltpolizist. Zumal dieser vielfach sehr unglücklich agierte. Die liberale Weltordnung ist auf dem Rückmarsch. China und Russland rüsten auf, der Westen ab. Und es ist so, dass dort, wo die USA sich von der Macht zurückziehen, Lücken entstehen, die von manchen als Einladung verstanden werden, dort selber die Macht zu übernehmen. Etwa in einem Kalifen-Staat zwischen Mossul und Aleppo. Das ist gefährlich. Es muss verhindert werden. Großbritannien und Frankreich winken ab, wenn nach Hilfe gefragt wird. Deutschland sowieso. Dafür ist der BND der Wurmfortsatz der NSA (Josef Joffe „Die Zeit“ 18.6.; Michael Stürmer „Die Welt“ 28.6.; Interview von Mladen Gladic mit George Packer „Literarische Welt“ 28.6.; Rainer Stephan „Süddeutsche Zeitung“ 1.7.; Martina Knoben „Süddeutsche Zeitung“ 2.7.14) .
Eine hochkomplexe, sehr schwierige Lage. Obama ist zu unentschlossen, um ein Konzept für ihre Bereinigung zu entwickeln. Ihm fällt nichts Besseres ein als George Bush.
Wir Europäer müssen schleunigst ein eigenes Konzept erarbeiten.