Die Pkw-Maut in Deutschland ist ein populistisches Projekt. Von Horst Seehofer, der anscheinend die Niederländer und Österreicher bestrafen will, die im Sommer auf Bayerns Autobahnen unterwegs sind. Minister Dobrindt soll das Projekt exekutieren. Ob das klappt?
Ich fühle mich bei diesem Thema als Experte, weil ich seit 1979 fast jedes Jahr in Italien die Autobahn benutze und seit 1993 in Frankreich. Dort haben wir die Maut. Aber sie wird von allen entrichtet, von Ausländern und Italienern bzw. Franzosen.
Ulrich Schäfer hat sich Gedanken über eine intelligente Maut gemacht (SZ 1.7.14).
„Eine kluge, intelligente Maut sieht anders aus: Sie darf nicht allein das Ziel haben, möglichst sanft umzuverteilen. Sondern sie sollte erstens die Kosten des Autoverkehrs – also die Kosten des Straßenbaus, aber auch die Umweltbelastung, die durchs Fahren entsteht – jenen auferlegen, die sie verursachen. Sie sollte zweitens dazu führen, dass mehr Bürger überlegen, ob sie sich mit ihrem Auto in den täglichen Stau und Verkehrswahnsinn einreihen. Oder ob sie sich nicht eine umweltfreundliche Alternative suchen: den Bus, die Bahn, die Mitfahrgelegenheit. Und, ja: am Ende auch das Fahrrad.
Solch eine maßvolle, verursachergerechte Maut müsste streckenabhängig erhoben werden, so wie es deutsche Urlauber aus Frankreich und Italien kennen – und so wie es für Lkws auf deutschen Autobahnen seit Jahren üblich ist. Solch eine Maut müsste elektronisch erhoben werden, nicht per Zettel- und Bargeldwirtschaft an riesigen Mautstationen. Sie müsste also ähnlich wie eine elektronische City-Maut funktionieren, die immer mehr Metropolen in der Welt einführen, um den Drang der Autofahrer in verstopfte und von Lärm und Abgasen geplagte Innenstädte einzudämmen. Und, ja: Solch eine Maut könnte man in Deutschland – in einem zweiten Schritt – auch als City-Maut in Großstädten einführen.“