599: „Die Büchse der Pandora“

Der Historiker Jörn Leonhard hat mit

„Die Büchse der Pandora. Geschichte des Ersten Weltkriegs. (C.H. Beck) München 2014, 1157 Seiten, 38 Euro,

nicht nur ein neues Buch über den Ersten Weltkrieg vorgelegt, sondern dabei besonders reichhaltig Anekdoten, Fotografien, Tagebücher und Briefe ausgewertet (Jens Bisky, SZ 23.6.14).

„Geschildert wird wirklich der Erste Weltkrieg. Im Jahr 1916 etwa waren, so Leonhard, die Kämpfe an der Ostfront wichtiger als die im Westen. Die Brussilow-Offensive brachte den Alliierten den bedeutendsten Geländegewinn seit Beginn des Krieges, die Verluste auf beiden Seiten waren größer als die der Schlachten von Verdun und an der Somme, Österreich-Ungarn musste fortan deutsche Hilfe akzeptieren, einschließlich deutscher Kommandeure bis zur Bataillonsebene hinab.“

Die Diskussion über die Kriegsschuld wendet Leonhard in die Frage, wer im Juli 1914 hätte deeskalieren können. Und warum dies nicht gelang.

Leonhard schreibt ohne Zuspitzung, er wägt die Argumente überzeugend ab. Dank dieser reflektierten Zurückhaltung, im Nebeneinander von Kultur- und Militärgeschichte, von Wirtschafts-, Mentalitäts- und Gesellschaftsgeschichte ist ihm eine große Synthese gelungen.

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