Dazu schreibt Cornelius Pollmer (SZ 20./21.8.22):
„Dass mit den Vorgängen beim RBB die Reformdebatte jetzt ein weiteres Mal vom Osten ausgeht, ist auffällig. Es war in
Thüringen,
wo durch Untreue beim Kinderkanal ein Millionenschaden entstand. Es war in
Sachsen-Anhalt,
wo die Regierung eine Erhöhung des Rundfunkbeitrags blockierte. Es war in
Sachsen,
wo sich bei Demonstrationen neben sachlicher Kritik auch stumpfer Hass gegen ARD und ZDF etablierte und wo sich in desinteressierten Kreisen der groteske Irrglaube verfestigte, Journalismus sei nur ein anderes Wort für Marionettentheater. Es ist also der Osten der Republik, wo der Druck auf das öffentlich-rechtliche System am größten ist – aber auch dessen Chance, mit etwas Mut herauszufinden, wie er besser auf Kritik und eine sich fortwährend wandelnde Gesellschaft reagieren könnte.“
„Manches Problem lässt sich nicht schnell beheben, etwa die riesige finanzielle Belastung durch Pensionen und Altverträge. Doch der öffentlich-rechtliche Rundfunk könnte jetzt trotzdem und gerade im druckvollen Osten die Chance ergreifen, nicht ein weiteres Mal über Sachzwänge zu jammern oder jahrelang irgendwelche ‚Programmreformen‘ anzukündigen, von denen außerhalb von Gremien dann kein Mensch je etwas mitbekommt. Er könnte die Chance nutzen, seine mit zig Funkhäusern gerade im Regionalen grotesken Mehrfachstrukturen grundständig zu reformieren, um mehr Budget freizumachen für echte journalistische Arbeit in der Fläche und für ein Angebot, das die Gegenwart des Landes in allen Farben und Formen abbildet. Wie gut er das kann, beweisen etwa die Regionalmagazine und die ‚Mittendrin‘-Rubrik in den ‚Tagesthemen‘ (wie übrigens auch manche jener Formate, die zum Jugenangebot ‚Funk‘ gehören).
Ein solcher Wandel ist mit der Besetzung von Spitzenposten nicht allein zu schaffen, aber er beginnt dort. Auch an dieser Stelle gibt es die Chance, sich nicht selbst weiter zu blockieren. In der Vergangenheit wurden auch mal Leute zu sehr gut bezahlten Direktoren, von denen man selbst eineinhalb Jahre nach Dienstantritt vor allem wusste, dass sie gerne segeln und auch sonst eher ein touristisches Verständnis ihres Sendegebiets aufweisen. Auch deshalb wäre es angezeigt, für die Spitze des RBB eine geignete Person aus dem Osten zu suchen und zu finden.“