Für ihr Lebenswerk erhielt Isabelle Huppert – wegen Corona in Abwesenheit – auf der Berlinale den Ehrenbären. Ihre Filmografie ist fast der Gegenbeweis zu der These, dass es für Frauen über 40 keine gewichtigen Rollen mehr gibt. Bekannt geworden war Huppert 1977 in „Die Spitzenklöpplerin“. Da spielte sie schon ein junge Frau, die das doppelte Spiel aus aufgesetzt kühler, distanzierter Fassade und reichem, stürmischen, widersprüchlichem Innenleben beherrschte. Die komplizierte Frau wurde Isabelle Hupperts Spezialität. So wurde sie „La Huppert“. Sie hat auch in Michael Ciminos Flop „Heaven’s Gate“ (1980) gespielt. Aber für die USA war sie zu schwierig. Trotzdem erhielt sie für ihre Rolle in Paul Verhoevens „Elle“ (2017) eine Nominierung für den Oscar. Sie brillierte in Claude Chabrols „Biester“ und Michael Hanekes „Die Klavierspielerin“. Selten hat man eine Frauenfigur im Kino die Opferrolle so konsequent zurückweisen sehen wie hier (Barbara Schweizerhof, taz 12./13.2.22).