Der Philosoph Wilhelm Schmid ist gegen das * (FAS, 2.8.20).
„Das Anliegen. Es steht mehrheitlich wohl kaum in Frage, auch wenn viele glauben, es gehe nur darum, dass das weibliche neben dem männlichen Geschlecht Anerkennung findet. Die Akzeptanz unterschiedlicher gesellschaftlicher Orientierungen, auch solcher, die über Homosexualität hinausgehen und neutral als ‚divers‘ bezeichnet werden können, ist jedenfalls in dieser freiesten Gesellschaft, die je unter deutschem Namen firmierte, wenig umstritten.“
„Ein umfangreicheres Problem des Gendersternchens besteht darin, dass damit keineswegs nur ein drittes oder viertes Geschlecht, sondern darüber hinaus auch noch ein dreißigstes und vierzigstes gemeint sein soll. Asexuell, bisexuell, pansexuell, transsexuell, intersexuell und so weiter, tendenziell jede, jeder und divers mit individuellem Geschlecht. Das ist vielen zu viel. Dem berechtigten Anliegen einer Anerkennung sämtlicher Diversitäten erweist das ausufernde Sternchen einen Bärendienst. Es ist zu einem quasi-religiösen Symbol geworden, das für eine Überzeugung steht, nämlich dass so altbackene Phänomene wie Mann und Frau überholt sein sollen.“
„Wie starr Identitäten sind, zeigen alle ihre Varianten. Identitätspolitik, welcher Art auch immer, heißt abgrenzen, ausgrenzen, die eigenen Reihen schließen, Andere zurückweisen. Nationale Identitäten und rechtslastige identitäre Bewegungen werden gerne beklagt, um dasselbe in Grün zu betreiben. Das Gemeinsame ist, auf den Ausschluss von Anderen und Anderem angelegt zu sein. Wie menschenverachtend das auch unter emanzipatorischen Sternchen ausfallen kann, stellte jüngst der vieldiskutierte Artikel in der alternativen Berliner „taz“ unter Beweis, wonach Polizisten auf den Müll geworfen werden sollten. Identitätsgesättigt bringen auch ausgewiesene AntidiskriminiererInnen wieder nichts als blinde Diskriminierung hervor. Kommt heftige Widerrede auf, handelt es sich dabei aus ihrer Sicht wieder um Diskriminierung. Und prompt erschallt der Ruf nach der Polizei, denn wer sonst könnte sie wirksam schützen, also wieder runter vom Müllhaufen.“