Das erst 2012 errichtete Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma in der Nähe des Reichstags in Berlin ist in Gefahr. Dort soll eine S-Bahn entstehen. Die Bauarbeiten, so befürchten es Vertreter der Sinti und Roma, würden das Denkmal massiv beeinträchtigen. Der Zentralrat deutscher Sinti und Roma war entsetzt, als er von den Bauplänen erfuhr. Dies übrigens nicht von der Bahn, sondern von der „Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas“, die auch das Mahnmal der Sinti und Roma unterhält.
Zum Mahnmal gehört nicht nur ein Wasserbecken, sondern ebenso das umliegende Gelände. Das Denkmal hat der in Israel geborene Künstler Dani Karavan entworfen. Auf einer Baustelle kann kein würdiges Gedenken stattfinden. Das Gedenken an die Toten hat bei den Sinti und Roma eine besondere Bedeutung. Das Mahnmal ist für sie die lange vermisste Grabstätte. Erst unter der Regierung von Helmut Schmidt (SPD) 1982 waren die Verbrechen der Nationalsozialisten an den Sinti und Roma als Völkermord anerkannt worden. Für viele von ihnen ist die Gedenkstätte ein äußeres Zeichen, dass ihre Geschichte nun als ein Teil der deutschen Geschichte gilt (Hannah Beitzer, SZ 4./5.7.20).