4061: Günter Lamprecht ist tot

Wir kannten ihn alle als Franz Biberkopf in Rainer Werner Fasbinders Verfilmung von Alfred Döblins „Berlin Alexanderplatz“. Günter Lamprecht, einen waschechten Berliner, der zunächst Handwerker gewesen war und nur auf verschlungenen Pfaden zum Schauspiel kam. Er war ins Max-Reinhardt-Seminar gelangt und hatte dann lange am Schillertheater gespielt. Er ist jetzt im Alter von 92 Jahren gestorben. Er konnte Proleten, treuherzig, brutal und liebesbedürftiges Kind. Raumgreifend. Franz Biberkopf war er schon immer gewesen. Fassbinder wurde gar auf ihn eifersüchtig. Aber da war Lamprecht ja nicht der einzige.

Lamprecht hatte schon in Fassbinders „Die Ehe der Maria Braun“ gespielt. Und 1970 im ersten Tatort „Taxi nach Leipzig“. Zwischendurch war er in Bochum, wo er den 68ern nicht links genug war. Am Ende schrieb er begeistert. Etwa „Und wehmütig bin ich immer noch“ 2002. Lamprecht hatte als Fünfzehnjähriger das Kriegsende mit allen Schrecken erlebt. Er brillierte dann noch lange im „Tatort“ als Kommissar Franz Markowitz. 1999 verübte ein Attentäter in Bad Reichenhall einen Anschlag auf ihn und seine Freundin Claudia Amm und verletzte die beiden schwer. Lamprecht war in fast jeder Hinsicht einzigartig. In „Babylon Berlin“ hatte er noch eine Gastrolle (Willi Winkler, SZ 8./9.10.22).

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