2998: Präsenzlehre und Digitallehre schließen sich nicht aus.

1. Fast 6.000 Dozierende haben einen Aufruf „Rettet die Präsenzlehre“ verfasst.

2. Der akademische Mittelbau trägt eine Hauptlast der Lehre und ist hinsichtlich der Lehrformate bisweilen flexibler.

3. Eine Professorin über fehlende Präsenzlehre: „Den Lehrenden fehlen die Studierenden, den Studierenden die Lehrenden. Jeder sitzt allein vor seinem PC und hat es bestenfalls mit Mails und kleinen Bildchen zu tun. Die Kommunikation richtet sich aus dem engen Zuhause irgendwie ins Offene. Universitäten sind normalerweise lebendige Orte der Bildung und der Selbstversicherung. Studierende lernen hier bei Spezialistinnen und Spezialisten, was sie sonst nirgends lernen können. Man trifft sich, tauscht sich aus, vergleicht sich, lernt miteinander, bildet Netzwerke, ohne die man nicht weiterkäme.“

4. Andererseits ist die Universität oft ein Ort der Frustration angesichts hoffnungslos überfüllter, schlecht organisierter und nicht selten sterbenslangweiliger Seminare. Ein Ort der Demütigung und der Selbstverunsicherung, der Angst davor, sich zu äußern und dumm aufzufallen, geschweige denn die gestressten Dozierenden außerhalb des Seminars anzusprechen. Ein Ort, an dem krasse Hierarchien herrschen und ein kompetetives Klima der permanenten Prüfung, wo Bürotüren meist gschlossen sind.

5. Einige Experten befürchten ihren Bedeutungsverlust angesichts der permanent weiter digital wachsenden Expertise insbesondere in den Geisteswissenschaften.

6. Die Corona-Krise hat bereits einen durchaus positiven Schub in der Digitallehre ausgelöst.

7. Digitale Lehre lässt sich dem eigenen Biorhythmus anpassen und beliebig oft wiederholen.

8. Präsenzlehre und Digitallehre schließen sich nicht aus. Die Präsenzlehre bedarf des den Inhalten angemessenen Ausbaus der Digitallehre.

9. Digitale Geschäftigkeit kann allerdings nicht die fachliche und didaktische Kompetenz der Präsenzlehre ersetzen.

10. Präsenzlehre lebt vom intensiven Gespräch und Austausch in kleinen Gruppen (Christian Dries, SZ 1./2.8.20).

Comments are closed.