2804: Wiederauferstehung des Homo Sovieticus in Weißrussland

Alexander Lukaschenko ist als Präsident von Weißrussland seit 25 Jahren im Amt. Er gilt als Diktator. Der frühere Kolchos-Chef tritt besonders gerne im Eishockey-Trikot auf. In Weißrussland wird trotz Corona „normal“ gearbeitet. Der Fußball wird vor Publikum gespielt. Allerdings leeren sich allmählich die Stadien. Der Präsident gibt der Bevölkerung gerne Ratschläge, um die Pandemie in Schach zu halten: Feldarbeit, regelmäßige Nahrungsaufnahme, Saunagänge und ab und zu ein Wodka. Lukaschenko ironisiert die Politik von Wladimir Putin. Es handelt sich, wie Barbara Oertel schreibt (taz 9./10.4.20), um die Wiederauferstehung des Homo Sovieticus.

Geprägt wird das Land vom Atomunfall in

Tschernobyl

am 26. April 1986. Der wurde von der sowjetischen Führung systematisch verschleiert. In Kiew marschierten Tausende am 9. Mai auf der Siegesparade. Der Kollaps der Sowjetunion 1991 überließ Weißrussland und der Ukraine die Aufarbeitung des Atomunfalls. Sie ist bis heute nicht erfolgt. Es gibt keine verlässlichen Zahlen. Die Bevölkerung ist es gewöhnt, belogen und im Unklaren gelassen zu werden. Massenhaft werden Journalisten verhaftet und wegen „Verbreitung von Falschmeldungen“ verurteilt.

Lukaschenko möchte bei der Präsidentenwahl im August 2020 wiedergewählt werden. Er verkündet: „Ich will nicht, dass mein Staat zu einem Teil dieser sogenannten zivilisierten Welt wird.“

 

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