Der Schriftsteller Ernst-Wilhelm Händler, geb. 1953, ist auch Unternehmer. Nach seinem Studium in Stuttgart und München, das er 1980 mit einer Promotion abschloss, übernahm er den familieneigenen metallverarbeitenden Betrieb. Nebenbei begann er zu schreiben. In der deutschen Literatur kommt ihm zu wenig Geld vor. Das hält er für einen Fehler. Die „Buddenbrooks“ erscheinen ihm als ein „Wirtschaftsroman“.
Der in Regensburg und München lebende Schriftsteller hat 2002 mit
„Wenn wir sterben“
einen Bestseller vorgelegt. Nun interviewen Felix Stephan und Hannah Wilhelm ihn anlässlich seines Romans „Das Geld spricht“ (2019) für die SZ (20.3.20).
SZ: Leben Sie vom Schreiben?
Händler: Um Gottes willen! Nein! Das ginge nicht. Ich habe auch drei Kinder. Die sind zwar alle erwachsen, aber trotzdem.
SZ: Also, wovon leben Sie?
Händler: Von der Literatur können Sie nur leben, wenn Sie Bestsellerautor sind. In Deutschland Walser, Enzensberger, Kehlmann, Juli Zeh. Wir reden jetzt von den Ernsthaften, nicht von Sebastian Fitzek. Ich bin in sehr kleinem Ausmaß Unternehmer, ich mache Immobiliengeschäfte. Früher bestand mein Leben zu zwei Dritteln aus Geschäft und zu einem Drittel aus Schreiben, heute ist es andersrum. Ich komme aus einer Familienfirma.
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SZ: Welches ist ihr erfolgreichstes Buch?
Händler: „Wenn wir sterben“, das war mit 15.000 Exemplaren ein richtiger Bestseller. Insgesamt gehen die Verkaufszahlen wie bei allen ernsthaften Büchern zurück. Damit muss man leben.
SZ: Sie schildern in ihren Büchern den Kapitalismus als sehr kalt und unmenschlich. Gleichzeitig scheinen Sie das für sich nicht als Problem zu sehen.
Händler: Da haben Sie vollkommen recht. Ich kann damit umgehen. Wenn man mir eine Alternative zum Kapitalismus zeigt, die funktioniert, dann wäre ich auch dafür. Aber man findet ja nichts.
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