2762: Die DDR war keine antifaschistische Gesellschaft.

Der Emeritus für Pädagogik Micha Brumlik, 72, belegt in der „Zeit“ (5.3.20), dass die DDR kein antifaschistischer Staat war. Denn obwohl sie sich das großspurig und propagandistisch auf die Fahnen geschrieben hatte, integrierte sie ehemalige Nazis in Partei, Staat und Wirtschaft. Dagegen gab es in der Bundesrepublik den Versuch der „Aufarbeitung“, nachdem 1963 der hessische Generalstaatsanwalt Fritz Bauer den ersten Frankfurter Auschwitz-Prozess eingeleitet hatte. Die Studenten protestierten 1968 gegen ehemals nationalsozialistische Hochschullehrer.

Micha Brumlik verweist zu Recht auf das Buch von

Harry Waibel: Die braune Saat. Antisemitismus und Neonazismus in der DDR. 2017.

Darin wertet Waibel ca. 2.000 neue Quellen insbesondere der Stasi aus. „Die Anzahl neonazistischer Vorfälle liegt bei etwa 7.000, und etwa 725 Vorfälle betreffen Rassismus, und 900 Straftaten sind antisemitischer Natur, wovon etwa 145 die Schändungen jüdischer Friedhöfe und Gräber betreffen. Bei über 200 gewalttätigen Angriffen wurden durch Pogrome und pogromartige Angriffe tausende Personen aus über 30 Ländern verletzt, und mindestens 10 Personen wurden zum Teil in Lynchjustiz getötet. (…) Die Angriffe wurden in den allermeisten Fällen von jüngeren Männern durchgeführt und fanden in über 400 Städten und Gemeinden der DDR statt.“

In ihrem Buch

Umkämpfte Zone. Mein Bruder, der Osten und der Hass. 2019.

hat Ines Geipel geschrieben: „Der Osten (…) blendete in  Wissenschaft, Bildung und Öffentlichkeit die Verfolgung und Ermordung von sechs Millionen Juden weitgehend aus, ja zog sie nicht einmal ernsthaft in Betracht.“

 

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