Eckart Conze ist Professor für neueste Geschichte an der Universität Marburg Er scheibt:
„Geschichtsbilder, die die Modernität, die Fortschrittlichkeit und die kulturelle Dynamik des Kaiserreichs und seiner Gesellschaft betonen, überdecken die Persistenz autoritärer Strukturen, die anhaltende soziale Fragmentierung, den aggressiven Militarismus, einen brutalen Kolonialismus und die sozialdarwinistisch unterfütterte Ideologie nationaler Machtstaatlichkeit.
Vor allem aber lassen sie die Kontinuitätslinien, die von 1871 zu 1933 führten, verschwinden. Zu diesen gehört nicht zuletzt der Autoritarismus der national konservativen Eliten, ihre Demokratiefeindschaft, ihr Antiparlamentarismus und in vielen Fällen auch ihr Antisemitismus. Hier lagen die Brücken zum Nationalsozialismus, und hier liegt auch die Bedeutung des Kronprinzen. Vor diesem Hintergrund zielt die Prinzen-Apologie, die uns in Historiker-Gutachten und der öffentlichen Debatte begegnet, weit über die Person des Kaisersohns hinaus. Zusammen mit den Entschädigungsforderungen der Hohenzollern ist sie der Versuch, ein kritisches Bild des Kaiserreichs zu entsorgen und die Eliten des Kaiserreichs aus ihrer historischen Verantwortung zu nehmen.“ (SZ 16.1.20)