1. 78 Prozent der Deutschen glauben, dass man in der Öffentlichkeit mit Kommentaren zu einigen Themen vorsichtig sein müsse. Das gilt es, unabhängig von der eigenen Position, ernst zu nehmen.
2. Viele Menschen glauben an „Sprechverbote“ und daran, dass der „Meinungskorridor“ schmaler geworden ist.
3. Das ist, wie die Rechtsprechung zeigt, kein rechtliches, sondern ein gesellschaftspolitisches und moralisches Problem.
4. Der Ursprung dieses Konflikts liegt in der US-Bürgerrechtsbewegung der sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts.
5. Daraus erwuchs das Phänomen der „Political Correctness“ (von links).
6. Heute stehen dafür in erster Linie Gender-Aktivitäten (LGBTQ*).
7. In Universitäten gibt es heute „Safe Spaces“ und korrektes Mensa-Essen, das auch religiöse Minderheiten berücksichtigt.
8. Selbstverständlich müssen heute Bernd Lucke und Thomas de Maizière Vorträge (auch in Universitäten) halten dürfen.
9. Die rechte Strategie ist geschickt: „Ihre Protagonisten erobern Terrain für die eigene Sache, indem sie sich gegen Kritik immunisieren (Denkverbote!) und zugleich den Raum nach rechts öffnen (Das wird man doch noch sagen dürfen!). Das Ergebnis: So offen so rechts wie derzeit ist in Deutschland jahrzehntelang nicht mehr diskutiert worden, bis hin zur Verharmlosung des Nationalsozialismus als vermeintlicher ‚Vogelschiss‘ in der deutschen Geschichte.“ (Holger Stark, Die Zeit 30.10.19)
10. Im Netz kursieren Mordlisten, wie der Mord an Walter Lübcke in Kassel gezeigt hat.
11. Verstärkt wird der ideologische Kampf durch das Internet (und seine Filterblasen).
12. Der Soziologe Armin Nassehi glaubt, dass jede Gesellschaft auch Tabus und Konsense braucht, auf die sich die Mehrheit verständigt hat und die als Leitplanken dienen.
13. Der radikale Meinungspluralismus öffnet nicht nur Räume, er schließt auch welche.
14. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier: „Gerade in der Summe, in der täglichen Kanonade von Angriffen werden aus vielen kleinen Verletzungen die klaffenden Wunden, an denen unsere Debattenkultur heute krankt und erodieren kann.“
15. „Die Meinungsfreiheit ist ein mächtiges Werkzeug, vielleicht das mächtigste in einer Demokratie überhaupt. Aber sie erfordert Reife im Umgang mit ihr. Wir haben erst begonnen zu lernen, wo die Grenzen liegen, die nötig sind, um jenen Dialog zu schützen, der für eine freie Gesellschaft überlebensnotwendig ist.“ (Holger Stark, Die Zeit 30.10.19)