Auf Anordnung des russischen Innenministers Wladimir Kolokolzew ist der Journalist
Iwan Golunow
aus der Haft entlassen worden. Offiziell war er verhaftet worden, weil angeblich bei ihm Drogen gefunden worden waren. Er wäre nicht der Erste, dem Rauschmittel untergeschoben worden wären, um ihn aus dem Verkehr zu ziehen. Nun hat sich gezeigt, dass alle Drogentests negativ waren. Rauschgift-Fotos waren nicht in seiner Wohnung entstanden. Offenbar ist Golunow geschlagen worden. Ärzte stellten eine Gehirnerschütterung bei ihm fest.
Golunow hat investigativ für das Onlineportal „Meduza“ hauptsächlich über
Korruption
recherchiert. Die Leiterin des Onlineportals, Galina Timtschenko, zeigte sich über die Entlassung Golunows sehr zufrieden. „Wir haben alle zusammen das Unmögliche erreicht.“ Die Solidarität mit Iwan Golunow war beispiellos gewesen. Drei führende Zeitungen des Landes, „Kommersant“, „Wedomosti“ und „RBK“, hatten ausführlich auf ihren Titelseiten und auf mehreren anderen Seiten über den Fall berichtet. Golunow hatte prominente Unterstützer wie den Musiker Boris Grebentschikow: „Ich möchte auf Russland stolz sein und das, was jetzt passiert, ist eine Schande.“ Eine Online-Petition, die Golunows Freilassung gefordert hatte, sammelte binnen kurzem 178.000 Unterschriften. Die Zivilgesellschaft in Russland ist wohl doch nicht ganz verloren (Silke Bigalke, SZ 12.6.19).