Der Gründer und Herausgeber der „Jewish Voice from Germany“, Rafael Seligmann, hat mitgeteilt, dass seine Quartalszeitung eingestellt wird. Sie ist anscheinend über Anzeigen nicht mehr zu finanzieren. Das Projekt war von Anfang an (2012) ein Sonderfall. Es sollte dem deutschen Judentum eine unabhängige Stimme geben. Und diese sollte weltweit wahrnehmbar sein. Deshalb erschien die Zeitung auf Deutsch und auf Englisch. Sie hatte zunächste eine Auflage von ca. 30.000 Exemplaren und wurde an Mitglieder des US-Kongresses, die Parlamente in Kanada, der EU, Großbritanniens, Deutschlands und Israels verteilt. Hinzu kamen Gemeinden in den USA, Journalisten, Hochschulen, Vorstandsmitglieder.
Nach Seligmanns Meinung genügt es nicht, jüdische Opfer zu betrauern und den Antisemitismus zu beklagen. Aufgabe sollte es sein, mit dem Wissen der Vergangenheit das aktuelle Geschehen mit Essays, Kommentaren, Diskussionen, Kontroversen zu beleben. Der Axel-Springer-Verlag bot an, eine deutsche Ausgabe der „Jewish Voice from Germany“ der „Welt“ kostenlos beizufügen. So geschah es. Deswegen konnte ich die Zeitung regelmäßig lesen. Die kombinierte Auflage betrug 150.000 Exemplare. Diese Stimme wird uns künftig fehlen.
Seligmann schreibt: „Das Fazit aus mehr als sieben Jahren Arbeit an der ‚Jewish Voice‘ bleibt positiv. Wir haben dazu beigetragen, den deutsch-jüdischen Dialog zu beleben. Wir haben viele Mitstreiter gewonnen. Was wir angestoßen haben, wird nicht ungeschehen bleiben. Das deutsch-jüdische Gespräch, die Auseinandersetzung ist unvermeidlich. Sie werden weitergehen. Zunächst nur im Schildkrötentempo.“ (FAZ 20.4.19)