2318: Kommentar zu „Schluss mit dem Gender-Unfug“

In der FAS vom 10.3.19 findet sich ein Kommentar von cls zur Petition „Schluss mit dem Gender-Unfug!“ des „Vereins Deutsche Sprache“:

„Auch in dieser Zeitung sind die sogenannten Gender-Sternchen, das Binnen-I und natürlich die Verwandlung von handelnden Figuren in Präsenspartizipien (Studierende, Lehrende) nicht besonders beliebt – aus Gründen der Ästhetik wie der Lesbarkeit. Woran liegt es dann aber, dass einem der Aufruf „Schluss mit dem Gender-Unfug!“ des Vereins Deutsche Sprache trotzdem so grundsätzlich unangenehm ist: Liegt es allein an Tonfall und Wortwahl – also daran, dass als Geste des Widerstands ausgegeben wird, was doch weiterhin bloß die Mehrheitsmeinung ist: dass man die gendergerechte Sprache als Zumutung empfindet? Liegt es daran, dass das trotzige Beharren auf dem Unterschied zwischen natürlichem und grammatischem Geschlecht zum Teil stimmt (wo das Insekt, die Schabe und der Wurm im Spiel sind); dass die gängige Praxis aber in der Welt der Berufe zum Beispiel eben doch die männliche Dominanz und Definitionshoheit in die Sprache hinein verlängert (wenn zwei Chirurgen sich treffen, sagt dann der eine wirklich zum anderen: „Ich bin übrigens schwanger“?). Muss man also mit Ausrufezeichen um sich werfen und im Befehlston die Sprache, die Sprecher und die Schreibenden anschnauzen – wo es nur darum geht, eine womöglich neue Balance zwischen Schönheit und Verständlichkeit einerseits und Fairness andererseits zu finden? Eine angemessene Sprache brüllt nicht, sie singt.“

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