Theodor Fontane (1819-1898) wird in diesem Jahr 200 Jahre alt (am 30.12., Jens Bisky, SZ 4.1.19). Literaturkenner haben ihn immer geschätzt. Und ich hatte das Glück, dass bei uns in der Schule Fontane reichlich gelesen wurde. Und nicht nur „Effie Briest“ und „Der Stechlin“. Aber Fontane galt vielen lange Zeit als zuständig für das „Pläsierliche“, für „Causerien“. Das gehört dazu, macht ihn aber nicht aus. Tatsächlich war Theodor Fontane der Chronist einer Umbruchzeit. Der Kampf zwischen Alt und Neu war sein Lebensthema. Er passt insofern zu unserer Zeit. Fontanes Frauen sind modern. Aber er war kein Frauenrechtler. Und auch kein Sozialdemokrat. Obwohl wir angesichts des „Stechlin“ manchmal auf die Idee kommen könnten.
Über sich selbst hat Fontane gesagt: „Ich bin für Alte-Fritz-Verherrlichung. Aber dann hört es auch auf. Alles andere – großes Fragezeichen!“ Er war ein Vielschreiber, der sich Zeit für „Nebendinge“ nahm. Deswegen ist er so genau. Wenn wir aufmerksam sind, finden wir, etwa in Berlin, heute noch manches, auch im Verhalten, wieder, das Fontane schon beschrieben hat. Neuerdings ist er unter den Verdacht des Antisemitismus geraten. Da kann ich nur raten: Leute, lasst die Kirche im Dorf. Sein letzter Held, Dubslav von Stechlin, sagt uns, „unanfechtbare Wahrheiten“ gebe es nicht, „und wenn es welche gibt, so sind sie langweilig“. Schließlich, nicht zu vergessen: Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland.
Theodor Fontane gehört in eine Reihe mit Lessing, Goethe, Schiller, Büchner, Heine, Thomas Mann, Benn, Brecht.