2103: Joseph Roth 1926 aus Paris an Benno Reifenberg

Als Joseph Roth 1926 als Paris-Korrespondent der „Frankfurter Zeitung“ von Friedrich Sieburg abgelöst wurde, schrieb er bitterböse Briefe an den Feuilletonchef des Blattes, Benno Reifenberg. Das ist zu lesen in dem von Jan Bürger herausgegebenen Band

„Pariser Nächte“. München (C.H. Beck) 2018, 144 S., 16 Euro.

Da heißt es u.a.:

„Ich mache Sie darauf aufmerksam, dass sich in Paris eine Clique bilden wird bestehend aus Frau Helen Hessel, Klaus Mann, Friedrich Sieburg, Dr. Benjamin, derselbe, der Ihnen die blödsinnigen Aphorismen geschrieben hat. Die werden Feuilletons durch Sieburg hinschicken.

Ich mache Sie dafür verantwortlich, weil ich, für den Fall, dass ich bleibe und der Verlag meine Bedingungen erfüllt, Paris noch nicht aufgegeben habe – für später. Ich möchte nicht plötzlich noch einen impotenten Kulturjuden mit Aphorismen haben.

Dr. Benjamin ist zwar Krac(cauer)s Liebling, aber ein schlechter Journalist und ein träger Jud. Krac, der liebe, gute Krac, überschätzt leicht die Abstrakten. Die fürchterlichsten Kerle.

Ich war entsetzt über Diebold’s Bericht über Klaus Mann.

Wir können dem Scheißbengel keine Reklame machen. Nur das ‚Weltblatt‘ die ‚F.Z.‘ fällt noch auf so was herein. Es hat auch den besten Kritiker und Literaturkenner.“ (FAS 26.8.18)

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