2079: Lisa Hallidays „Asymmetrie“

Lisa Hallidays Debütroman trägt Züge eines „Schlüsselromans“ (vgl. hier Nr. 2077).

„Asymmetrie“. München (Hanser) 315 S.; 23 Euro.

Zwei junge Rezensentinnen nehmen das nicht übel, gehen aber kritisch damit um: Sarah Pines in der „Literarischen Welt“ (21.7.18) und Karen Krüger in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“(22.7.18). Halliday hatte seit Anfang des 21. Jahrhunderts eine Affäre mit Philip Roth (1933-2018) („Sabbaths Theater“, „Der menschliche Makel“, „Nemesis“).

Der Roman hat drei Teile. In „Verrücktheit“ geht es um die Beziehung zu Roth, „Wahnsinn“ enthüllt die Gedankenwelt eines irakischen Amerikaners 2008, der Schlussakt ist pure Leichtigkeit. Philip Roth ist im Roman Ezra Blazer.

„Ezra ist gut vierzig Jahre älter als Alice, trotzdem beginnen sie eine Affäre. Die Ähnlichkeit mit Roth ist unverkennbar. Wie Roth ist Blazer preisgekrönt und wird jedes Jahr als heißer Kandidat für den Literaturnobelpreis gehandelt. Wie Roth hat Blazer in der Army gedient, liebt jüdische Witze, leidet unter chronischen Rückenschmerzen, ist Atheist, Baseball-Fan, ein Kontrollfreak und überaus großzügig.“

Als das Manuskript fertig war, schickte Halliday es Roth. Der mochte es. „Ob man nach der Lektüre meint zu wissen, welche Tabletten und Kekse er schluckt oder welche Stellungen beim Sex noch funktionieren, war ihm egal.“

Halliday, 41, die zur Zeit mit ihrem Mann und ihrer kleinen Tochter in Mailand lebt, sagt beim Gespräch über das Buch: „Meine Realität ist meine Tochter, Windeln kaufen. Abendessen kochen.“

Karen Krüger: „Nach der Lektüre hat man auf einmal wieder Lust, mal wieder ein Buch von Roth zur Hand zu nehmen. Auf eine gwisse Weise fügt ‚Asymmetrie“ seinem Werk etwas hinzu, das einen manches vielleicht mit anderen Augen lesen lässt. Gut möglich, dass Halliday wollte, dass genau das geschieht. Vielleicht ist es ihre Art, sich endgültig von der jungen Frau von damals zu emanzipieren.“

Sarah Pines: „Lisa Halliday hat ein Buch geschrieben, das uns unser chauvinistisch-voyeuristisches Leseverhalten vorspiegelt, indem sie uns zwingt, es zu vollziehen. Philip Roth hätte diese Ironie geliebt.“

 

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