Der italienische Autor und Journalist
Roberto Saviano
steht seit 2006 unter Polizeischutz. Er hatte das Buch „Gomorrha“ veröffentlicht, in dem er die enge Verflechtung der organisierten Kriminalität (Mafia, Camorra, N’drangheta) mit legalen Wirtschaftsstrukturen und der Politik gezeigt hatte. Saviano steht seither auf der Todesliste der Camorra. Nachdem er in der vergangenen Woche die Flüchtlingspolitik der neuen italienischen Regierung (Lega und Cinque Stelle) im „Guardian“ scharf kritisiert hatte, reagierte der stellvertretende italienische Regierungschef und Innenminister Matteo Salvini (Lega), ein Rassist und Rechtsextremist, mit der Drohung, Saviano den Polizeischutz zu entziehen.
2016 wurden in Italien 412 Journalisten und Blogger körperlich angegriffen, bedroht oder in ihrer Arbeit behindert. 2017 standen 196 Journalisten unter Polizeischutz (Roberto Saviano, FAZ 23.6.18; Interview mit Alex Rühle, SZ 25.6.18; Roberto Saviano, Die Zeit 28.6.18).
Im Interview mit Alex Rühle sagt Saviano: „Mein Leben sieht seit zwölf Jahren so aus: Wenn ich rausgehe, kann ich nicht einfach die Tür hinter mir zumachen. Ich muss erst die Carabinieri informieren, die sich um meine Sicherheit kümmern. Ich muss ihnen sagen, wen ich treffe und wo, weil sie dann erst mal den Ort genau inspizieren müssen. Ich kann nie sagen: ‚Wart auf mich, ich bin in zehn Minuten da.‘ Bevor ich losgehen darf, vergehen mindestens zwei Stunden. Fahrten durch Italien werden noch viel länger im voraus geplant, weil jeweils lokale Sicherheitskräfte bereitgestellt werden müssen. Wenn ich ein neues Buch vorstelle, werde ich zu einer Art Paket, das von einem Auto ins nächste gereicht wird. Ich kenne Dutzende von Polizisten, die mich jeweils in Gewahrsam nehmen, wenn ich in ihre Stadt komme. Wenn ich ins Ausland fahre, muss ich vorab jeden einzelnen Ort angeben, an dem ich mich wann genau aufhalten werde, die Hotels, die Lesungsorte, die Restaurants, in denen ich essen werde. Wer von Ihnen weiß, was er am Abend des fünften Tages einer Urlaubsreise abends um 21 Uhr machen wird? Ich muss so was wissen. Einige tun so, als sei es ein Privileg, so leben zu müssen. Ich bin noch nicht mal 40 und lebe so seit meinem 26. Lebensjahr. Ich kann Ihnen versichern, dass nichts an diesem Leben unterhaltsam oder angenehm ist.“