Der 1928 in Wien geborene Verhaltensforscher Irenäus Eibl-Eibesfeldt ist gestorben. Er hatte Zoologie und Botanik studiert und war 1950 Mitarbeiter von Konrad Lorenz geworden. Seine Forschung erstreckte sich zunächst auf Zackenbarsche und Putzerfische, Provokationspotential bekam es vor allem, als Eibl-Eibesfeldt sich den Grundlagen menschlichen Verhaltens zuwandte. Im Zentrum stand dabei die Frage, ob es angeboren ist oder kulturell geprägt. Heute wissen wir dank Eibl-Eibesfeldt: es ist auch und vor allem angeboren. Das empfinden viele als verstörend und politisch unsympathisch. In den Sozialwissenschaften ist Eibl-Eibesfeldt deswegen nicht beliebt. Einige politische Äußerungen von Lorenz und Eibl-Eibesfeldt sind tatsächlich nicht leicht zu verdauen.
Eibl-Eibesfeldt nahm an der berühmten Galapagos- Expedition teil, bei der gemeinsam mit dem Meeresforscher Hans Hass hauptsächlich der Artenreichtum des damals noch weithin unerforschten Archipels erforscht wurde. Später engagierte sich der Forscher für dessen Erhalt. Seit 1956 arbeitete Eibl-Eibesfeldt am neu gegründeten Max-Planck-Institut für Verhaltensphysiologie und wurde Ordinarius an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Sein Hauptinteresse galt nunmehr den
Universalien menschlichen Verhaltens.
Zudem erhärtete er seine Erkenntnisse über das menschliche Verhalten anhand von Forschungen über die Rituale, Sitten und Gebräuche von Völkern in Südamerika, Afrika und Neuguinea. Wieder ging es um die Gemeinsamkeiten im Verhalten von Menschen, deren Lebenswelten vollkommen voneinander getrennt sind. Es gibt solche Gemeinsamkeiten (Sebastian Herrmann, SZ 4.6.18). Eibl-Eibesfeldts These, im Menschen stecke eine angeborene Furcht vor Fremden, war der Grund dafür, dass er bei politisch Fortschrittlichen weithin geächtet wurde.
Eibl-Eibesfeldt wird einerseits zur Begründung des Artenschutzes ins Feld geführt, andererseits für Fremdenfeindlichkeit.