1978: Milos Forman ist tot.

Mit Milos Forman (geb. 1932) ist einer der großen Filmregisseure unserer Zeit gestorben. In „Einer flog über das Kuckucksnest“ (1975) floh Chief Bromden (der hünenhafte Will Sampson) aus der Psychiatrie in die Freiheit, nachdem er eine Armaturen-Konsole aus der Verankerung gerissen und durchs Fenster geschleudert hatte. Inspiriert von Randle McMurphy (Jack Nicholson). Der Film bekam fünf Oscars. Repression, Autoritätsgläubigkeit und unterdrückte Sexualität waren Formans Themen. 1985 bekam sein Film „Amadeus“ (nach Peter Shaffers Bühnenstück) acht Oscars. International aufgefallen war Forman erstmals mit „Der Feuerwehrball“ (1967), den ich im deutschen Fernsehen gesehen habe und in dem Forman eine vernichtende Kritik an einem kommunistischen System formuliert. Der Film wurde 1969 in der Tschechoslowakei verboten.

Der 1932 im tschechischen Caslav geborene Forman durchlebte eine Kindheit in der Nazizeit und verlor früh seine Eltern Anna und Rudolf Forman, die im Untergrund gegen Hitler aktiv waren und in Konzentrationslagern starben. Spät erst erfuhr Formann, dass der jüdische Architekt und Holocaust-Überlebende Otto Kohn sein leiblicher Vater war. Forman wurde auf ein Elitegymnasium geschickt, wo der spätere Staatspräsident Vaclav Havel und der nachmalige Filmregisseur Jerzy Skolimowski seine Mitschüler waren. Nach dem Studium an der Filmakademie wurde Formann schnell einer der führenden Vertreter der neuen tschechischen Filmschule. Seine Filme waren latent systemkritisch. Er bekam Probleme mit der Zensur. 1975 kam er in die USA. Dort hatte er mit „Hair“ (1979) und „Larry Flynt – Die nackte Wahrheit“ (1996) Welterfolge (Tobias Kniebe, SZ 16.4.18).

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