Wenn eine posthum erscheinende Publikation den Titel trägt „Nicht zur Veröffentlichung bestimmt“, dann kann es sich um Koketterie handeln. So im Fall der langjährigen Suhrkamp-Lektorin
Elisabeth Borchers,
die 2013 im Alter von 87 Jahren gestorben ist. „Nach nahezu 40 Jahren ein rücksichtsloser Blick auf Verlag, Autoren, Bücher, Manuskripte. Kein Pardon soll gegeben werden.“ (Julia Encke, FAS 8.4.18) Und wir, die wir den Literaturklatsch so mögen, erwarten viel. Wir werden kaum enttäuscht.
Vor allem die Rezensentin Encke, die Borchers sichtlich nicht mag, liefert uns manches, von dem wir noch lange zehren werden. „Handke klingelte bei ihr und fragte ihren Lebensgefährten, ob er, Handke, mit ihr schlafen dürfte.“ Etc.
„Der Verleger Siegfried Unseld war bekannt dafür, einen Satz von Peter Suhrkamp zu zitieren:
‚Der Autor ist uns turmhoch überlegen.‘
Er kannte die Demut vor der schriftstellerischen Existenz, begriff sich als Ermöglicher. Die Lektorin Elisabeth Borchers wollte eine Ermöglicherin offenbar nicht sein, sondern einfach nur bedeutend.“
Borchers hatte 1961 ihren ersten Gedichtband veröffentlicht. Sie kam als Lektorin zu Luchterhand, 1971 zu Suhrkamp nach Frankfurt. Mit ihrem Ruhestand 1998 begann sie die hier zugrundeliegenden Aufzeichnungen. Mit ihren Urteilen hielt sie nicht hinter dem Berg. „Wohin man auch schaut und liest, Hochstapelei.“ (Sandra Kegel, FAS 7.4.18)
Bösartigkeit reiht sich an Bösartigkeit. Ihr Chef, Siegfried Unseld, sei schon immer scharf gewesen auf den Professorentitel. „Ohne ihr Lektorat waren Johnsons ‚Jahrestage‘ eine ‚Farce‘. Frisch war ‚hellhörig‘ genug, auf ihren Rat hin ein Manuskript zurückzuziehen, das später in einer anderen Fassung als
‚Montauk‘
erschien.“ Ja, dann!