1893: Widerstand der Weißen Rose

Vor 75 Jahren wurden nach einem – im Sinne des Wortes – kurzen Prozeß die Mitglieder der Weißen Rose Sophie Scholl, Hans Scholl und Christoph Probst unter dem Fallbeil ermordet. Roland Freisler hatte sie vorher im Gericht zusammengeschrien. Weitere Todesurteile gegen Mitglieder der Weißen Rose folgten.

Ihr Widerstand wie auch der

Georg Elsers und der Verschwörer des 20. Julis 1944

liegt – so empfinden es die meisten von uns – lange zurück und erscheint manchmal fast ein wenig banal. Aber davon kann keine Rede sein. Einmal hat ihr Beispiel einen großen Einfluss auf unsere Verfassung ausgeübt, den Artikel 1 und den Artikel 20 Absatz 4. „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Und: Gegen jeden, der es unternimmt, die Grundrechte zu beseitigen, „haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist“. Ihr Beispiel dient heute der „wehrhaften Demokratie“.

Zum anderen gemahnt das Beispiel der Weißen Rose uns an den – vom 2001 gestorbenen Münchener Rechtsphilosophen Arthur Kaufmann so genannten – „kleinen Widerstand“. Gemeint sind Widerspruch und Zivilcourage, gemeint ist Whistleblowerei, gemeint ist das, was oft als Gutmenschentum denunziert wird. In Zeiten, in denen doch nicht grölende Neonazis oder die NPD gefährlich sind, sondern in denen sich wieder von vielen unbemerkt Ressentiments durchsetzen (für eine Ausländermaut beispielsweise), Vorurteile gegen Fremde und Flüchtlinge, in denen offener Rassismus wieder salonfähig wird. Da ist der „kleine Widerstand“ heute wieder auf der Tagesordnung.

Ein AfD-Kreisverband hatte vor einiger Zeit behauptet, „Sophie Scholl würde AfD wählen“. Nein, sie würde es nicht tun; sie würde einer AfD, die im Inneren immer radikaler wird, sagen: „Wir sind euer böses Gewissen.“ In braunen Netzwerken wird so getan, als seien die demokratischen Parteien (dort „Alt-Parteien“ genannt) eine zu stürzende, volksverräterische Herrscherclique. „So wird der Widerstandsbegriff pervertiert; er wird von den Grund- und Menschenrechten getrennt, …; er wird angefüllt mit völkischem Gebräu und populistischem Exremismus. Es ist dies eine Verhöhnung des Andenkens an den Widerstand gegen den Nationalsozialismus.“ (Heribert Prantl, SZ 22.2.18)

 

Leave a Reply

You must be logged in to post a comment.