Bekannt geworden ist Rüdiger Safranski, 73, im ZDF als Stichwortgeber für Peter Sloterdijk im „Philosophischen Quartett“. Er galt als Deutschlands berühmtester „Biograf“. Einige dieser Biografien fand ich so zäh, dass ich sie nicht bis zu Ende gelesen habe. Sein eigentliches Coming Out hatte Safranski aber als Kritiker der Merkelschen Flüchtlingspolitik 2015, die ihn zu dem Satz brachte: „Die Politik hat beschlossen, Deutschland zu fluten.“
Jetzt kommt Rüdiger Safranski in der Reihe „Biografie in Büchern“, die in der „Literarischen Welt“ erscheint (Die Welt 20.1.18). Darin sprechen Autoren über die Bücher, die ihr Leben bestimmt haben. Safranski spricht u.a. über Max Frischs (1911-1991) Roman „Stiller“ (1954), der häufig im Zusammenhang mit „Homo Faber“ (1957) und „Mein Name sei Gantenbein“ (1964) genannt wird.
Safranski sagt: „‚Ich bin nicht Stiller‘ – so fängt der Roman an, und auch das ist ja Existenzialismus pur. Dem Buch ist nicht zufällig ein Kierkegaard-Zitat vorangestellt. … Ich habe Frischs ‚Stiller‘ vor einiger Zeit wiedergelesen und muss sagen: Es hält immer noch stand, anders als der ‚Gantenbein‘. Frischs Tragödie war es, dass er zu sehr davon lebte, bei Frauen anerkannt zu sein. Und dass das im Alter nicht mehr so war, hat ihm viel Schaffenskraft geraubt. ‚Montauk‘ zum Beispiel halte ich für ein hoffnungslos überschätztes Buch, es taugt eigentlich gar nichts.“
Hier können wir erkennen, dass Safranski keine Ahnung hat.
In seiner Erzählung „Montauk“ (1975) schildert Max Frisch seine Begegnung mit „Lynn“ im Mai 1974 in den USA, in die er autobiografische Reflexionen einbaut.