Jugendliche (14 bis 18 Jahre) männliche Flüchtlinge geben Anlass zur Sorge, weil sie vorzugsweise dazu beitragen, dass die Gewalt (nach der polizeilichen Kriminalstatistik) zunimmt. Das steht im klaren Gegensatz zur Gewaltkriminalität von deutschen Jugendlichen, bei denen die Gewaltkriminalität von 1998 bis 2016 stark abgenommen hat: bei Raub um – 55,7 %, bei Mord und Totschlag um – 36,5 %, bei gefährlicher oder schwerer Körperverletzung um – 15,5 %. Insgesamt hat sich die Gewaltkriminalität von deutschen Jugendlichen von 2007 bis 2015 halbiert.
Das ergibt eine Studie im Auftrag des Bundesministeriums für Familie und Jugend, die das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen in Hannover (Dirk Baier, Christian Pfeiffer, Sören Kliem) vorgelegt hat. Pfeiffer (SPD) war dort lange Chef, zwischendurch niedersächsischer Justizminister, Baier und Kliem sind seine Schüler und heute selbst Ordinarien für Kriminologie in Zürich und Braunschweig.
Untersucht wurden Menschen in Niedersachsen, die entweder Asyl beantragt oder irgendeine Art von Schutz erhalten hatten oder zur Gruppe mit „unerlaubtem Aufenthalt“ gehörten. Fast jede achte (8.) Gewalttat rechnet die Polizei einem Migranten zu. Dabei handelt es sich um Fälle, welche die Polizei für aufgeklärt hält und sie an die Staatsanwaltschaft weiterleitet. Zwar hat sich von 2014 bis 2016 auch die
Zahl der Flüchtlinge verdoppelt,
jedoch ist die Zahl der Tatverdächtigen unter ihnen um das
Dreieinhalbfache
gestiegen. Die Kriminologen führen das auch auf die
Macho-Kultur
(„Ein Mann, der nicht bereit ist, sich gegen Beleidigungen mit Gewalt zu wehren, ist ein Schwächling.“) in ihren Heimatländern zurück. Unter den Flüchtlingen sind besonders viele Jugendliche und junge Männer. 14- bis 30-Jährige fallen überall auf der Welt durch besonders viele Gewalt- und Sexualstraftaten auf.
Weil die Daten der polizeilichen Kriminalstatistik auf angezeigten Taten beruhen, ist hier noch zu bedenken, dass Ausländer oder ausländisch erscheinende Menschen eher angezeigt werden (von Deutschen oder Migranten). Wir können die Tatverdächtigen aber auch nach ihren Herkunftsländern unterscheiden. Syrer, Iraker und Afghanen werden weit seltener angezeigt als Migranten aus
Marokko, Tunesien und Algerien.
Diese werden fast alle als Asylbewerber abgelehnt und sind deswegen frustrierter als andere. Darin sehen die Kriminolgen einen Grund für ihre Neigung zur Gewalt. Sie standen schon nach den Krawallen in der Silvesternacht 2015/16 in Köln im Zentrum der Debatte.
Den Rückgang der Gewalt unter Deutschen, gerade unter deutschen Jugendlichen, führen die Kriminologen darauf zurück, dass der Großtrend vom allmählichen Rückgang der Gewalt in Familien nach und nach in der Gesellschaft ankommt. Die elterliche Erziehungskultur habe sich in Deutschland seit den siebziger Jahren hin zu mehr Liebe und weniger Hieben entwickelt. Auch in der Schule und bei der Bundeswehr gehe die Brutalität zurück.
Der größte gemeinsame Nenner unter Gewalttätern ist, statistisch gesehen,
dass sie in ihrer Kindheit geschlagen wurden.
Dieses biografische Merkmal korreliert stärker mit gewalttätigem Verhalten als
Religion, Herkunft, Wohlstand und Bildung.
(Roland Preuß, SZ 3.1.18; Ronen Steinke, SZ 3.1.18)