1972 hatte die SPD bei der Bundestagswahl 46 Prozent. Heute nach der letzten Sonntagsfrage etwa 23. Eine Halbierung.
Und der westlichen Sozialdemokratie geht es ebenso schlecht, wenn nicht noch schlechter. In Italien gibt es die Sozialistische Partei (PSI) nicht mehr. Die französischen Sozialisten holten bei der Präsidentschaftswahl 2017 gerade mal 6,4 Prozent. Starke Rückgänge gibt es bei den Sozialdemokraten in Skandinavien. Ähnlich geht es der Pasok, der ehemaligen Regierungspartei in Griechenland. Die niederländische Arbeiterpartei ist auf knapp 6 Prozent abgestürzt.
Der SPD haben Grüne und Linke Stimmen abgeluchst. Und Angela Merkels „ideologischer Imperialismus“ hat klassische SPD-Positionen besetzt.
Das wahre Problem aber ist historisch: Die Sozialdemokratie ist mit der Arbeiterklasse aufgestiegen. Nun schrumpft sie im Gleichschritt mit dem Anteil der Industriearbeit am Inlandsprodukt. Der ist in den letzten 50 Jahren im Westen von rund 35 auf ca. 15 Prozent gefallen. Die Sozialdemokratie verliert ihre Klientel und macht zu wenig neue Angebote.
Die US-Demokraten versuchen, aus Minderheiten eine Mehrheit zu machen: mit Schwarzen, Latinos, Asiaten, LGBT und den Bildungseliten. Bei der letzten Präsidentschaftswahl hat das nicht geklappt. Der „kleine Mann“ schätzt weder Minderheitenpolitik noch „Political Correctness“ und fürchtet, dass man ihm sein Auto wegnehmen will. Er ist anfällig für Nationalismus und Abschottung – Gift für Länder wie Deutschland und die USA, die von der Globalisierung leben (Josef Joffe, Die Zeit 21.9.17).