1. 46 Prozent der Wähler wissen noch nicht, was sie bei der Bundestagswahl am 24. September wählen wollen. Die Wahl ist also noch nicht entschieden. Wir unterscheiden
Stammwähler, Unentschlossene und „Ablehnende“.
2. Das beschreibt sehr gut Susanne Gaschke (SPD), die als Oberbürgermeisterin in Kiel abgewählt wurde (Welt 26.8.17).
3. Wir stellen uns die Gesellschaft nicht mehr als Klassengesellschaft (Arbeit und Kapital) vor wie bei Karl Marx, auch wenn sie es noch sein sollte. Und nicht mehr als „nivellierte Mittelstandsgesellschaft“ wie bei Helmut Schelsky (1953), sondern aufgeteilt in zehn Milieus.
4. Vertikal sind diese (von unten nach oben) gegliedert in a) „Untere Mittelschicht/Unterschicht“, b) „Mittlere Mittelschicht“ und c) „Oberschicht/Obere Mittelschicht“. Horizontal (von links nach rechts) in a) „Tradition“, b) „Modernisierung/Individualisierung“ und c) „Neuorientierung“.
5. Beim Wählen lässt die Milieubindung nach. Das geht zu Lasten der am stärksten milieugebundenen Volkspartei, der SPD.
6. Auch wenn wir jeden Wähler exakt in ein Milieu einordnen könnten, hieße das noch nicht, dass wir vorhersagen könnten, was er wählt.
7. Geblieben beim Wähler ist die Sehnsucht nach Vereinfachung und Übersichtlichkeit.
8. Heute muss jeder Wähler weithin individuell gesehen und angegangen werden. Das führt zum Haustürwahlkampf.
9. Mit einem Algorithmus, der die Online-Einkäufe, die Amazon- und Google-Suchen, die E-Mails und WhatsApp-Nachrichten von Wählern kennen würde, könnten wir sein Wahlverhalten ziemlich genau vorhersagen. Aber das ist in Deutschland (aus guten Gründen) verboten.
10. Die Wähler in Deutschland sind mit der innenpolitischen Lage ziemlich zufrieden. Sie finden die Weltlage höchst beunruhigend.