1989 verurteilte der Ayatollah Khomeini als Vertreter des reaktionären, repressiven Islams den indisch-britischen Schriftsteller Salman Rushdie, der Englisch schreibt, wegen seiner „Satanischen Verse“ zum Tode. Danach war das Leben Rushdies ernsthaft bedroht. Er konnte nur noch unter Polizeischutz oder im Verborgenen leben. Gedungene Mörder waren hinter ihm her. Das hat er in seinen 2012 erschienenen Memoiren „Joseph Anton“ eindrücklich beschrieben.
Für das Todesurteil „reichte aus, dass Rushdie Bücher vom Westen im Osten und vom Osten im Westen handelten. Der Schriftsteller war der Repräsentant einer neuen, vielfarbigen Welt, in der aufgehen konnte, wer oder was sich immer als souveräne Kultur empfand (oder auch sich als solche nicht empfand). Und er benutzte dafür eine Form, die so westlich erschien wie der Hollywood-Film und die Rock-Ballade, nämlich den Roman“ (Thomas Steinfeld, SZ 19.6.17).
Schon Rushdies „Mitternachtskinder“ (1981) waren ein Riesenerfolg. Das Buch, politische Allegorie, Entwicklungsroman und Märchen zugleich, veränderte die Wahrnehmung nicht nur der indischen Dichtung und des indischen Subkontinents, sondern öffnete vielen Lesern die Augen für den Postkolonialismus. Salman Rushdie wurde der Repräsentant von literarischen Versuchen der Vermittlung zwischen Ost und West. Das brauchen wir heute dringender als je zuvor. Mögen Salman Rushdie noch viele produktive Jahre beschieden sein, gerade ist er erst 70 Jahre alt geworden.