Ja, die SPD nervt. Sie ist manisch-depressiv. Und sie beschäftigt sich gerne mit sich selbst, wie Daniel Friedrich Sturm ausgerechnet in der „Welt“ (20.5.17) zu Recht schreibt. Ihr fehlen Programm und Person, um eine partiell längst sozialdemokratisierte Gesellschaft neu wieder für sich zu gewinnen. Die SPD lebt im Bewusstsein, stets für das Gute zu kämpfen. Diese Hybris führt zu Dogmatismus und autoritärem Gehabe. Helmut Schmidt, Franz Müntefering und Hannelore Kraft waren solche autoritären Charaktere. Um so entmutigender wirkt da der aus dem Chinesischen stammende Satz: „Wer nicht lächeln kann, soll keinen Laden aufmachen.“
„Über die SPD zu spotten gehört zu den einfachsten Übungen. Fantasie oder Kreativität sind dafür nicht nötig, Mut erst recht nicht. Es liegt nahe, es liegt geradezu auf der Hand, die diversen Schwächen der Sozialdemokratie zu identifizieren, sie zu beschreiben, sich darüber zu mokieren. Manche betreiben es als Masche, sich am Leid der SPD zu delektieren. …
Ja, die SPD nervt. Aber sie ist niemandem egal.
Deutschland braucht die SPD.
Wie bloß stünde dieses Land da ohne seine älteste Partei, die … ihren immerhin 154. Geburtstag feiert? Wenn es darauf ankam, konnte sich das helle Deutschland immer auf die SPD verlassen. Sozialdemokraten haben gegen die Bevormundung im Kaiserreich gekämpft, für Bildung, Emanzipation, die Rechte von Arbeitern und Frauen. Sie haben sich den Nationalsozialisten in den Weg gestellt, bis ihre Mitglieder in Konzentrationslagern gefoltert und getötet wurden. Sie haben dem Kommunismus die Stirn geboten und in der DDR die Revolution von 1989 vorangetrieben.“
Die SPD streitet gern. Mit anderen, am liebsten aber mit sich selbst. Als Kanzlerwahlverein dagegen möchte die Union (CDU und CSU) regieren, um des Regierens willen. Sie ist ein programmatischer Zwerg. In ihr herrscht ein Pragmatismus, den man bewundern kann oder verachten.
Im Schulz-Hype sah die SPD die Chance, ihre widersprüchlichen Interessen zu überwinden oder wenigstens zu überdecken. Wann hat es das schon einmal gegeben? Zuletzt vermutlich bei Willy Brandt. Nun warten wir noch auf die Erläuterungen der SPD
zur Steuerpolitik und zur Rentenpolitik.
„Die Häme, die Wut, der Spott über die SPD entspringt vielleicht in Wahrheit einer Quelle. Womöglich handelt es sich dabei um
unbewusste Liebeserklärungen.
All diejenigen, die sich an der Sozialdemokratie abarbeiten, lässt diese große Partei jedenfalls nicht kalt. Sie fühlen sich, wie auch immer, von ihr berührt. Welche andere politische Kraft in Deutschland kann das schon von sich sagen?“