Wer geglaubt hatte, die Brüskierung des deutschen Außenministers Sigmar Gabriel durch den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu sei inzwischen ausgestanden, hat sich getäuscht. Der Deutungsstreit tobt weiter. Netanjahu ließ mitteilen, es sei „instinktlos“, an den Tagen, an denen Israel um die Opfer des Holocaust und die gefallenen Soldaten der Nahostkrige trauere, ausgerechnet die NGO „Breaking the Silence“ aufzusuchen. Die Organisation sei keine Menschenrechtsorganisation, ihr gehe es darum, israelische Soldaten zu verunglimpfen. „Breaking the Silence“ will nach eigenem Bekunden Verbrechen und Menschenrechtsverletzungen der israelischen Armee aufdecken. Außenminister Gabriel wies die israelische Zurechtweisung zurück.
Die israelisch-deutschen Beziehungen sind auf dem Tiefpunkt. Kern des Streits ist die völkerrechtswidrige Besiedlung der Westbank durch israelische Siedler mit Billigung der israelischen Regierung und die Ablehnung der Zwei-Staaten-Theorie durch die israelische Rechte unter Führung Benjamin Netanjahus. Israel setzt auf eine Politik der Sicherheit und der militärischen Überlegenheit unter dem Schild seiner Atomwaffen. Zusätzlich verbürgen die USA als Israels stärkster Verbündeter Israels Integrität. Netanjahus Brüskierung Gabriels verfolgt in erster Linie innenpolitische Ziele. Deutschland ist ihm ziemlich egal. Als Waffenlieferant aber willkommen. Das alles macht die Lage im Nahen Osten nicht besser. In allernächster Nähe Israels agieren der syrische Massenmöder Assad und der IS. Russland engagiert sich militärisch in Syrien. Und die „Mittelmächte“ Iran und Saudi-Arabien kämpfen um die Vorherrschaft dort. Die Türkei bekämpft die Kurden.