Wir kommen uns manchmal ziemlich vernünftig (rational) vor. Mit der Energiewende, gesunder Ernährung und Fahrradfahren, etc. Aber das ist nur die dünne und leicht zerreißbare Oberfläche. Viel wichtiger und entscheidender sind
unsere Gefühle.
Das können wir erkennen an der großen Zunahme beim Kauf von „Sport Utility Vehicles“ (SUVs). Manche sehen aus, wie zur Büffeljagd geeignet. Aber sie sind in der Regel nicht einmal geländetauglich, sondern „nur“ 20 cm höhergelegt. Sie vermitteln (vor allen Dingen bei Alten) das Gefühl, sicher und behütet zu fahren. Der Psychologe Rüdiger Hossiep (Die Zeit 12.4.17) führt einschlägige Experimente an, um zu zeigen, dass ein großer PKW immer noch ein höheres gesellschaftliches Ansehen mit sich bringt. Lächerlich.
Viele Autos werden auf „latente Aggressivität“ getrimmt. Besonders in Japan mit seiner sehr alten Bevölkerung. Insofern dienen PKWs wohl zur „Selbstkompensation“. Ich kenne in Göttingen viele kluge Leute. Die meisten davon auch ökologisch sehr problembewusst. Vor ihrer Tür (oder in der Garage) aber steht ein großer Spritfresser für’s Renommee. Insofern leben wir zwar im 21. Jahrhundert, unsere Seelen aber sind im Zeitalter des Bärentötens hängen geblieben.