Mit 23 Jahren kam Werner Spies 1960 nach Paris. Und dies blieb wohl sein zentraler Ort, an dem er als Kunsthistoriker, Ausstellungsmacher, Gutachter, Journalist, Übersetzer, Autor, Essayist, Agent, Impresario, Begründer des Max-Ernst-Museums (in Brühl bei Bonn) und von 1997 bis 2000 als Direktor des Centre Pompidou zügig und fleißig agierte und großen persönlichen Ruhm errang. Der ist bis heute da, wo Werner Spies 80 Jahre alt wird.
Promoviert hatte Spies in Bonn. Er lehrte Kunstgeschichte an der Düsseldorfer Kunstakademie und organisierte die großen Max-Ernst-Retrospektiven in Paris und New York, ein Weltbürger. Er schrieb und schreibt für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ). Mit
Pablo Picasso,
dessen Wahrnehmung Spies entscheidend geprägt hat, und
Max Ernst
war Spies eng befreundet. In seiner ersten Pariser Zeit hatte er Schriftsteller wie
Alain Robbe-Grillet, Margerite Duras und Nathalie Sarraute
dazu animiert, für den SDR Hörspiele und Fernsehspiele zu schreiben. Selbst
Samuel Beckett
ließ sich von Werner Spies dazu bewegen. Spies erklärte uns das unvergleichliche Spätwerk Picassos und kuratierte 1978 die grundlegende Ausstellung „Paris – Berlin“, die sein internationales Renommee begründete.
Eine Wand aus
André Bretons
Arbeitszimmer ließ Werner Spies aus der Wohnung herausnehmen und im Centre Pompidou wieder aufbauen (Niklas Maak, FAZ 1.4.17). Und trotzdem musste Hans-Joachim Müller in der „Welt“ (1.4.17) schreiben: „Und es gehört zur Tragik dieser singulären Karriere, dass der weltbeste Max-Ernst-Kenner ausgerechnet den Verführungskünsten des mit allen Szene-Usancen vertrauten Erzschelms und Klassefälschers
Wolfgang Beltracchi
auf den Leim gegangen ist.“