1453: Ursula Krechels Roman „Landgericht“ im Fernsehen

Ursula Krechel erzählt in ihrem großen Roman „Landgericht“ (492 Seiten), für den sie den Deutschen Buchpreis bekommen hat, die Geschichte der scheiternden Rückkehr eines jüdischen Richters (Richard Kornitzer) aus dem Exil nach Deutschland und des Zerfalls seiner Familie nach 1945. Nachgebildet ist der Plot dem Leben von Robert Michaelis.

Dem zweiteiligen Fernsehfilm unter der Regie von Matthias Glasner (Drehbuch: Heide Schwochow) gelingt es insgesamt, die bewegende Geschichte angemessen ins Fernsehen zu übertragen. Wesentlich dazu beigetragen haben die beiden Hauptdarsteller Ronald Zehrfeld und Johanna Wokalek, welche die „arische“ Ehefrau Claire von Kornitzer so überzeugend spielt, dass sie, enteignet, entrechtet, vergewaltigt, mehr Opfer gebracht zu haben scheint als ihr Mann. Die Kornitzer-Kinder Georg und Selma gelangen 1938 mit dem berühmten Kindertransport nach Großbritannien. Nach 1945 bleibt die seelisch schwer beschädigte Familie Kornitzer sich fremd. Die Kinder kehren endgültig nicht nach Deutschland zurück. Sie sind bei ihrer Pflegefamilie heimisch geworden. Der Fernsehfilm geht unter die Haut.

Der Kampf um die Wiedergutmachung verblasst gegenüber dem Kampf von Claire um ihre Wiederanerkennung als Mutter. Glaubwürdig erzählt wird das Auseinanderbrechen einer Familie. Er ist die verdienstvolle Mischung aus eingängigem Drama und unaufdringlicher Seelenstudie. Die Kritiker Ursula Scheer (FAZ 28.1.17), Lennart Laberenz (FAS 29.1.17) und Thomas Hahn (SZ 30.1.17) gehen nicht unkritisch mit dem Film um. Aber sie anerkennen dessen Verdienste. Lennart Laberenz findet „Landgericht“ allerdings „mutlos“ und „in der Mitte leer“.

Das finde ich nicht. Wir können die Lektion gut gebrauchen.

Der zweite Teil läuft morgen am Mittwoch, dem 1. Februar, um 20.15 im ZDF.

 

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