1406: Der „weiße“ Feminismus wehrt sich.

Die französische Philosophin und frühere Ministerin Elisabeth Badinter steht für den „matriarchalistischen“, den „weißen“ Feminimus, den ihre Kritikerinnen für „kolonialistisch“ halten. Joseph Hanimann hat Badinter für die SZ (12.12.16) interviewt. Sie antwortet:

1. „Der einst selbstbewusste, stolze Feminismus ist einem Opfer-Feminismus amerikanischer Prägung gewichen. Man will die Frauen nicht mehr nur vor wirklicher Männergewalt schützen, sondern auch vor anzüglichen Männerblicken, zweideutigen Bemerkungen, fragwürdigen Gesten. Dieser Feminismus hat vorläufig gesiegt; denn in unserer Gesellschaft ist das Opfer der Held.“

2. „Ein universaler Feminismus, der für alle Frauen dieselben Rechte und Freiheiten fordert, und sich nicht auf Diskussionen über Schleier oder sonstige alte Zöpfe einlässt, ist für mich der einzig vertretbare Feminismus.“

3. „Verschleierungszwang geht davon aus, dass offenes Haar und körperbetonte Kleidung unanständig sind und die Begierde der Männer wecken, dass es also an den Frauen liegt, wenn Männer ihren Sexualtrieb nicht beherrschen können. Das ist für mich nicht akzeptabel.“

4. SZ: Die tunesische Philosophin Soumaya Mestri schreibt, der klassische Feminismus sei von „weißem Denken“ geprägt und müsse „entkolonialisiert“ werden.

Badinter: Solche Positionen sind umgekehrter Rassismus, der in gewissen muslimisch-arabischen Kreisen heute zu Verachtung und Hass gegenüber den Weißen verleitet.

5. „Es ist tatsächlich denkbar, dass wir uns auf dem Weg zu einer umgekehrten Geschlechterungleichheit bewegen. Ein Beispiel ist die Übermacht der Frauen beim Kinderkriegen. Eine Frau kann heute von ihrem Partner gegen seinen Willen ein Kind bekommen und hat dann das Recht weitgehend auf ihrer Seite, etwa bei der Kindergeldzahlung. Ich nenne das die ‚faktische Ungleichheit‘. Diese Allmacht auf dem Gebiet der Fortpflanzung sollte eingeschränkt werden.“

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