1367: Christoph Türcke ist gegen Inklusion.

Christoph Türcke, 68, lehrte von 1995 bis 2014 Philosophie an der Hochschule für Grafik und Buchhandel in Leipzig. Er hat viele Bücher publiziert und war stets dadurch gekennzeichnet, dass er schwierige Sachverhalte für Nicht-Philosophen verständlich machen konnte. Er war journalistisch aktiv. Nun hat ihn KAWE für die taz (28.10.16) interviewt.

taz: Zum Beispiel sind Sie gegen die Inklusion …

Türcke: Inklusion ist für mich ein neoliberales Projekt. Und alle linken Parteien springen auf. Das ist kein Basisprojekt, sondern kommt von ganz oben, den Vereinten Nationen.

taz: Und was ist schlimm daran?

Türcke: Das klingt wunderbar, aber das sollen Staaten umsetzen, die dafür nicht das Geld haben. Mancher Lehrer sagt: Endlich haben wir wieder eine pädagogische Vision! Schulklassen-Kommunismus! In Wirklichkeit führt das zu einem deregulierten Unterricht.

taz: Sie kritisieren auch die Zettelwirtschaft in der Schule.

Türcke: Der Arbeitsblattunterricht, jeder bekommt das auf ihn zugeschnittene Arbeitsblatt, macht den Lehrer zur Lernbegleitperson. Der Zettel wird damit zum Individualpauker. Mit den Schülern redet der Zettel im Imperativ: Kreuze an, fülle aus, mache dies, mache das. Das ist individualisierte Frontalpädagogik.

taz: Aber die Lehrer sind trotzdem noch da …

Türcke: Die Lernbegleiter teilen die Zettel aus und vermitteln diesen Frontalunterricht als Sachzwang. Das ist das Einüben von Sachbearbeitung.

taz: Brauchen wir Lehrer-Persönlichkeiten?

Türcke: Über den Persönlichkeits-Begriff will ich jetzt nicht streiten. Aber Bildung braucht das lebendige Verhältnis von Individuen. Lehren bedeutet, etwas zu zeigen. Das ist die Basis des Lernens. Bis in die Rahmenrichtlinien können wir sehen, wie die Elementartechniken als Lernziele relativiert werden. Wenn Lehrer nichts mehr zeigen, sondern nur noch begleiten, dann bringt auch das Fördern mit immer mehr Zetteln nichts mehr.

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