1362: Wähler wollen gar nichts wissen.

Die US-amerikanischen Sozialwissenschaftler Christopher Achen (Princeton) und Larry Bartels (Vanderbilt) zeigen, dass der Erfolg von Populisten diesseits und jenseits des Atlantiks u.a. auch darauf zurückgeführt werden kann, dass die Wähler überall einer gefährlichen Selbstglorifizierung unterliegen und de facto häufig gar keine Details von Politik wissen wollen.

Hauptsächlich demonstrieren sie das in ihrem „New York Times“-Aufsatz „Do Sanders Supporters Favor His Policies?“. Darin belegen sie, dass Unterstützer von Bernie Sanders im US-Wahlkampf, sobald es konkret wurde, deutlich weniger linke Politikpositionen vertraten als die Anhänger seiner damaligen Rivalin Hillary Clinton. Wie Sanders im Einzelnen vorgehen wollte, blieb für seine Anhänger unterhalb der Wahrnehmungsschwelle. Sie wollten gar nicht wissen, was sie mit ihrer Wahl de facto in die Wege leiten würden. Viel wichtiger war für sie, dass sie sich als Teil einer sie bestärkenden Bewegung fühlen konnten. Ähnliches gilt dafür, wie der

Brexit

zustandegekommen ist.

So erklärt sich vermutlich auch die Resistenz der Anziehungskraft von

Donald Trump

gegen alle Politische „Realität“. „Eine große Minderheit, die sich einig weiß in ihrem – stolzen und gekränkten – Selbstwertgefühl um die Merkmale

weiß,/männlich,/misogyn,/nationalistisch,/politisch libertär und unkorrekt,/

identifizieren sich mit dem Provokateur als Leitfigur einer Trotz- und Widerstandskultur. Politisches Detailwissen, politische Steuerung, politische Folgen sind daneben kaum der Rede wert und lenken nur von dem verbindenden Grundgefühl ab.“ (Andreas Zielcke, SZ 27.10.16)

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