1348: Nazis beherrschten OG und BND bis 1968.

Geheimdienste sind generell moralisch fragwürdig. Ganz auf sie verzichten können wir allerdings nicht, weil nicht auszuschließen ist, dass ihre Arbeit Erkenntnisse bringt, die nirgendwo anders zu bekommen sind. Im Detail ist es manchmal noch schlimmer. So etwa steht der Landesverfassungsschutz (LVS) Thüringen  im Verdacht, mit dem Nationalsozialistischen Untergrund (NSU= Bönhardt, Mundlos, Tschäpe) zusammengearbeitet zu haben. Das ist bei anderen Diensten kaum anders. Die umfassendsten Erkenntnisse darüber brachten die Enthüllungen von Edward Snowden über die US-Geheimdienste ans Tageslicht. Von den US-Diensten war die CIA nach 1945 in Deutschland besonders aktiv. Sie nahm den Bundesnachrichtendienst (BND) in Pullach unter ihre Fittiche.

Der Zeithistoriker Klaus-Dietmar Henke war von 1997 bis 2001 in Dresden Direktor des Hannah-Arendt-Instituts für Totalitarismus-Forschung. Seit 2011 gehört er gemeinsam mit Jost Dülffer, Wolfgang Krieger und Rolf-Dieter Müller der Unabhängigen Historiker-Kommission zur Erforschung der Geschichte des Bundesnachrichtendienstes (BND) an. Die ersten vier Bände der auf 13 Bände angelegten Dokumentation über den BND sind Anfang Oktober erschienen. Wolfgang Gast hat Henke für die taz (6.10.16) interviewt.

taz: Eine der Hauptanschuldigungen gegenüber dem BND und seiner Vorläuferorgnanisation (Organisation Gehlen: OG, W.S.) ist die Aufnahme belasteter Funktionäre des NS-Regimes. Haben Sie Hinweise gefunden, wie weit diese Kontinuitäten reichten?

Henke: Ja, auf Schritt und Tritt. Die Organisation Gehlen (OG) unterscheidet sich in ihrer Entstehung ja von allen anderen Diensten und Behörden der Bundesrepublik. Die Angehörigen der OG sind unmittelbar nach Kriegsende in Pullach hinter dem Paravent des Hochgeheimen in amerikanischen Diensten verschwunden. Dort waren sie gut mit Dollars versorgt und brauchten keine weitere Unbill zu fürchten. Es war eine sehr kommode Situation für sie. Da die Rekrutierung für die OG so ablief, dass ein Kriegskamerad den anderen nachzog, bildete die Organisation Gehlen schließlich einen freikorpsähnlichen Männerbund. In diesem war es möglich, viele Leute unterzubringen, die NS-belastet waren, die zum Teil schwerstens belastet oder sogar NS-Verbrecher waren. Und so gut wie alle von ihnen wurden mit der Gründung des BND im April 1956 in den Bundesdienst übernommen.

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